Samstag, 3. November 2018

Weihnachtsküsse 2

Coming soon ...

Die Fortsetzung der erfolgreichen Weihnachtsküsse soll Ende November, rechtzeitig zur Adventszeit erscheinen. Beide Geschichten aus dem 1. Band - von Eva Andersson und von mir - werden ein Jahr später fortgesetzt.
Das Buchcover zumindest ist schon entworfen:


Donnerstag, 11. Oktober 2018

Fortsetzung von "Im Zimmer wird es still"

Schon seit langer Zeit existiert in meinem Kopf die Fortsetzung von "Im Zimmer wird es still" - die komplette Handlung und einzelne Szenen. Vor ebenfalls langer Zeit habe ich mal "Notizen" dazu in mein Handy gesprochen.
Und heute, bei strahlendem, warmem Herbstwetter, habe ich diese Notizen endlich mal in ein Schreibheft übertragen. (Mein Handy ist ja auch nicht mehr das Jüngste.)
Die Stichpunkte waren dürftig, aber die Szenen und Bilder wurden in meinem Kopf wieder lebendig. Und ich hatte Lust, diese Geschichte aufzuschreiben. Sie ist eigentlich schon da. Sie ist schön. Es geht um Heiraten, Sterben, Trauer, Freundschaft, Liebe. Ich sehe es vor mir.
Leider spricht alles dagegen, diesen Roman zu schreiben: die Fortsetzung eines Flops zu schreiben ist nicht sehr klug, ich schreibe zu lange an einem Roman, ich verdiene zu wenig an einem Roman und ... ach, ja, über Schwule schreiben ich ja eigentlich auch nicht mehr ...

Aber vielleicht kommt irgendwann die Zeit, wo ich die Möglichkeit habe, es zu schreiben ...



Bis dahin noch eine Leseprobe aus Teil 1
Er hält sein Gesicht einen Moment in die Sonne, registriert die Schönheit des Herbsttages. Er tritt ein paar Schritte vor. Die Sonnenstrahlen lassen die Blätter der Linde gelbgrün aufleuchten, zeichnen helle Lichtkränze um jeden Blattrand. Der Schatten, den ein Ast der Linde auf die Hauswand wirft, wirkt lebendig, fein abgestuft und doch gestochen scharf. Er dreht sich wieder zur Sonne, steckt die Hände in die Hosentaschen. Überblickt die Straße, die friedlich daliegt. Vertrocknete Lindensamen liegen darauf verstreut, bräunlich-golden im Sonnenlicht.
Er geht langsam zurück, lässt die Haustür offen. Sonnenlicht fällt über den Steinfußboden, erhellt den fensterlosen Flur, trägt die Wärme der Luft hinein. Er nimmt Äpfel von der oberen Stiege und geht ins Wohnzimmer. Peter scheint zu schlafen, und er geht leise in die Küche. Er legt die Äpfel auf die Anrichte. Dann wiegt er Mehl und Zucker ab, teilt ein Stück Butter und beginnt, Teig für einen Apfelkuchen anzurühren. Die Küchenmaschine lässt er im Schrank, es geht auch ohne. Er rührt so lange, bis Butter und Zucker schaumig sind, dann gibt er drei Eier dazu, rührt weiter, siebt schließlich nach und nach das Mehl hinein, das sich als samtiger, feiner Berg über den feuchten Teig legt. Dann wäscht er die Äpfel und schält sie, versucht die Schale in einer langen Schlange abzulösen.
Das Haus ist stiller geworden, seit Peter krank ist. Nur noch selten läuft der Fernseher, kein Radio dudelt mehr nebenbei. Die Küchenmaschine staubt ein, er weiß gar nicht mehr, wozu er sie überhaupt gebraucht hat. Er genießt es, Zutaten mit seinen Händen zu bearbeiten, sich Zeit zu lassen.
Ein paar Spatzen zanken sich draußen auf dem Hof. Er hält inne, blickt zum Fenster. Das Sonnenlicht fällt in die Küche, ergießt sich über die Stühle und den Tisch, verfängt sich in einer Dahlie, die in einer Flasche steht, welche einen blau durchscheinenden Schatten auf die Tischplatte wirft. Er lehnt sich an die Kante des Küchenschrankes, Apfel und Schäler in den Händen. Ein perfekter Moment, einfach so. Weil er einen Apfelkuchen backt. Weil die Äpfel süß und aromatisch duften. Weil der Küchentisch wie ein Stillleben aussieht. Die Zeit ist bei ihm angekommen, rast nicht mehr.
Eigenartig, wie sehr die Zeit sich zu beschleunigen beginnt, wenn man älter wird. Als Jugendlicher hatte er das nicht gekannt. Ein Jahr schien endlos, ein Monat, selbst eine Woche, lang. Dann begann er zu arbeiten, wurde älter. Manchmal drehte er sich um, und war erstaunt, wie schnell die Zeit vergangen war. Dass schon Herbst war, die Bäume fast kahl, das Jahr bald zu Ende. Dass das Baby der Nachbarin schon lief, sprach, dann schon drei war. Dass der Urlaub wieder Geschichte war, eingeordnet in ein dickes Album. Dass Peter und er bereits vier Jahre zusammen waren, dann fünf.
Er dreht sich wieder zum Küchenschrank um, beugt sich vor, um Peter sehen zu können. Der schläft noch immer, sieht friedlich und entspannt aus,  wie er es nur noch selten im Schlaf ist. Er betrachtet sein Gesicht, unberührt, losgelöst von der Zeit. Gesicht eines sonnigen Morgens, des Geliebten neben ihm, einer Stunde ebenso perfekten wie simplen Glücks.

Dienstag, 4. September 2018

Aktion Sommerbuch Teil 3

Hier nun, bevor es zu spät ist, der Abschluss der Aktion #Sommerbuch

~*~
Benjamins Gärten ist zwar in erste Linie ein Frühlingsbuch, aber der Sommer hat auch einigen Raum 
>>So fuhr ich in diesem Sommer allein mit meinem Rad herum. Ich erkundete halb zugewachsene Pfade, folgte barfuß, im kalten Wasser und über Steine, dem Lauf von Bächen. Abends orientierte ich mich am Stand der Sonne, um die Richtung nach Hause zu finden.
Bei einer dieser Expeditionen entdeckte ich am Rand einer Weide einen alten Obstgarten. Ich drang hinein, er schien verwildert, ein Dschungel aus hohem Gras unter ausladenden Ästen. Eine geheime Welt der Schatten, in der Zeit keine Rolle zu spielen schien. Weit hinten entdeckte ich eine Hängematte zwischen zwei Bäumen, Gräser wuchsen ihr entgegen. In der Hängematte lag eine Gestalt. Ich pirschte mich leise näher, blieb neben einem Apfelbaum stehen. Da lag ein schlanker Junge mit langen rotblonden Haaren. Er schien zu schlafen, wirkte friedlich und entspannt, rote Locken flossen um seine Schultern. Er wirkte wie ein Stück der Natur um ihn, Gebieter über ein Reich, das er im Schlaf beherrschte. Ich trat hinter den Baumstamm, beobachtete ihn mit angehaltenem Atem. Konnte mich von seinem schönen Anblick nicht losreißen, unfähig etwas zu tun.
Irgendwann wachte er auf, reckte sich mit einem kleinen katzenartigen Gähnen, betrachtet zufrieden den Gar­ten. Schaukelte ein wenig mit der Hängematte. Meine Sehnsucht saß wie ein Kloß in meinem Hals, ich wagte es nicht, mich bemerkbar zu machen. Schließlich drehte er den Kopf und erspähte mich hinter meinem Baum. Er schien weder überrascht noch erschrocken, winkte mich mit der Geste eines Königs, der Audienz hält, heran. Ich kämpfte mich durch das Gras bis zu ihm, blieb vor der Hängematte stehen. Er lächelte mich von unten herauf unbefangen an, ein leicht anzügliches, wissendes und sehr verführerisches Lächeln. Als ob es dessen noch bedurft hätte.




~*~

>>Sonnenlicht blitzt durch die Blätter des Birnbaumes. Ich blinzle und wühle
mich aus dem Schlafsack, seine Außenseite fühlt sich feucht an. Die Luft ist ganz frisch, die Sonne wärmt schon. Irgendwo klopft ein Specht in schnellem Takt, ein Vogel zankt, dann ist es wieder still.
Im Baum hängt ein Windlicht aus Glas, in dem sich die Sonne verfangen hat und blinkt wie ein gefangener Kobold. Ich schiebe mich höher, schaue über den Rand der Hängematte. Das Gras leuchtet im Morgenlicht, schimmert feucht. Ich hatte vergessen, wie schön es ist. Wenn ich eine Kamera hätte, könnte ich das Licht auf dem Moos am Baumstamm festhalten, dieses grüngoldene Leuchten. Diese Korona aus Licht, die sich um einen vertrockneten Zweig gebildet hat. Die Sonnenflecken auf der Hängematte.
Gras raschelt, vielleicht Jurek, vielleicht ein Vogel. Das Geräusch kommt näher. Ich spähe in den Garten. Nahe am Bach steht ein Junge, von mir weggedreht. Ich sehe einen Schopf blonder Dreadlocks, er trägt Bermudas und ein Achselshirt. Er beugt sich hinunter, hebt etwas auf. Verknotet einen Teil seiner Haare am Hinterkopf und steckt eine Feder hinein. Dann dreht er sich herum, kommt mit geschmeidigen Bewegungen näher. Ich halte den Atem an. Er bewegt sich, als wäre er hier zu Hause, als pflege er nichts anderes zu tun, als an Sommermorgen durch Gärten zu wandeln.
Er bleibt stehen, streckt sich, zieht die Luft ein. Die Sonne bringt seine gebräunte Haut zum Schimmern. Er ist schlank und nicht sehr groß.
Er schaut sich um, erblickt mich, grinst. Dann kommt er näher. Ich genieße es ihn anzusehen. Ihm scheint es ganz recht zu sein, dass ich nichts sage.
»Schöner Morgen«, meint er schließlich.<<



~*~
Auch auf fernen Planeten gibt es Sommer!
>>Ich hasse diesen Planeten. Und dann dieser Name, der bloße Spott. Bei dem Wort »Sommer« ging bis vor Kurzem mein erster Gedanke stets an die warmen Monate meiner Heimatwelt. An den weichen, lauen Regen, das diffuse, freundliche Licht. An die nächtlichen Nebel, die herrlichen Bäume hinter meinem Haus, die für ein paar Wochen fast ausschließlich aus Blüten bestehen und diese später gegen sattgrünes, dichtes Laub tauschen. Und an das Geräusch des feinen Nieselns im Blattwerk. Ich sehne mich sehr danach, während der Morgendämmerung schwimmen zu gehen, wenn das Wasser in den unteren Schichten noch richtig kalt ist. Oder abends, sobald die Oberfläche spiegelglatt vor einem liegt und es sich anfühlt, als zöge man seine Bahnen in flüssiger Seide.<<
***
>>Kurz nach meinem Schulabschluss habe ich ziemlich ausgedehnte Ferien auf Paralovka verbracht. Während der Sturmphasen kann man es dort kaum aushalten, dann ist es einer der ungemütlichsten Planeten, die man sich vorstellen kann. Aber zwischen den Orkanzeiten, wenn die Winde über dem Wasser höchstens 10 Beaufort erreichen, gibt es keinen besseren Ort für einen Mann und seinen Flugschirm. Die dunkelblauen, manchmal violettschwarzen Wellen unter dem Brett zu spüren, wie sie dagegen rammen und einen treiben, während Böen unter den Schirm greifen und einen heben, ist mit keinem noch so befreienden Gefühl vergleichbar. Das Wasser ist mein Element, aber den Wind zu beherrschen, hat mich viel Zeit und Kraft gekostet. Die Meere auf Paralovka sind viel salziger als in meiner Heimat, das Wasser schrecklich hart. Unzählige Male hat die Thermik mit mir gespielt, als wäre ich ein Blatt; hat an mir gerissen, mich auf und unters Wasser gedrückt, bis alles an mir taub vor Kälte und Schmerz war. Selten habe ich mich so lebendig gefühlt wie in jenem Sommer.
Wenn ich heute daran denke, kommt es mir vor, als hätte ich dort nichts anderes getan, als auf Gedeih und Verderb mit den Elementen zu toben, und zwischendurch meinem Wogenmeister die Salzkristalle von der Haut zu lecken. Am ersten Tag hat er mir gezeigt, wie man es schafft, nicht sofort wieder vom Brett zu fallen. Ein paar Nächte später habe ich meine Unschuld an ihn verloren.
Selbst jetzt, auf einem Himmelskörper, der zynischer nicht hätte benannt werden können, erinnert mich der Sand zwischen meinen Zehen an ihn. Angesichts der hier allgegenwärtigen, reglos brütenden Hitze wird mir klar, wie heftig ich vieles vermisse. <<
aus "Bloody Summer" von Björn Petrov


~*~
Wer wäre jetzt nicht gern am Strand ... 🏖️
>>Sie nahmen eine Decke mit und überquerten die Düne, es war jetzt schon fast dunkel. An dem

weiten Strand waren nur noch wenige Menschen, die Liegestühle zusammengestellt. Die Sonne ging hinter den Hügeln unter, färbte die Wellen leicht. Die Luft war noch warm und Marek atmete tief ein.
»Herrlich hier«, sagte Tomek, während er sich umsah. Marek nickte nur. Sie gingen ein Stück am Strand entlang, der einen weiten Bogen beschrieb. Weg von der Stadt, bis sie alleine waren. Sie legten die Decke in den Sand, sie waren heute genug gelaufen. Tomek zog seine Segelschuhe aus, krempelte die Hosen hoch. Er tat es ihm nach und sie traten ans Wasser, ließen ihre Füße von den Wellen umspielen, es war ruhig und friedlich, nur fern hörte man den Trubel der Stadt. Möwen kreischten auf, zogen eine Runde, ließen sich auf einem Felsen nieder. Das Licht schwand jetzt schnell.<<







 ~*~
Nun im Spätsommer, im Übergang zum Herbst, wird es Zeit für den Abschluss der Aktion #Sommerbuch. "Im Zimmer wird es still" ist zwar ein Herbstbuch, aber ein paar Sommereindrücke finden sich auch.

>>Durch ein Fenster sah man eine kleine Ecke des Meeres. Der Markt unter Platanen war eine Explosion von Farben und Düften, die Menschen redeten lebhaft miteinander, saßen gelassen in Straßencafés. In einer ruhigen Gasse grüßte sie ein alter Mann freundlich.
Am zweiten Tag fanden sie eine kleine Badebucht, zu der man über abenteuerliche, schmale Steinstufen hinunterstieg. Das Meer glitzerte, leckte schäumend an den Felsen. Er saß da und konnte nicht fassen, wie traumhaft alles war. Zeit zählte nicht mehr, das Spiel der Wellen war bei jedem Ansturm neu.
Das Wasser war herrlich. Sie schwammen hinaus, tummelten sich im flacheren Wasser. Er wälzte sich in der Brandung, ließ sich von den anrollenden Wellen an den Strand spülen, dann wieder mit zurückreißen.<<

Dienstag, 31. Juli 2018

Aktion Sommerbuch Teil 2

Weiter geht es mit der Aktion Sommerbuch ...

Den Beginn macht das ultimative #Sommerbuch - Sommerstück von Christa Wolf

Jetzt müssen wir von der Hitze reden. Die hatte erst angefangen, wir wussten noch nicht, daß es Die Hitze war. Ein schöner Sommer wird das, sagten die Leute. Ein warmer Sommer. Ein Hitzesommer. Die Zeitungen fingen an, ihn vorsichtig zu tadeln. Er hielt sich nicht an die Produktionspläne der Landwirtschaft. Woche um Woche fiel kein Tropfen Regen, und das in dieser meernahen Gegend. Die Natur schien gegen sich selbst zu arbeiten. Jeden Morgen stieß Ellen die Hintertür auf, trat auf den Grashof: Da war er, der sich gleich bleibende Sommer. Da stand die Sonne hinter dem lichten Kirschgehölz und sang. Sang wie hundert Stare, die als kreischende dunkle Wolke aufstoben, wenn Ellen in die Hände klatschte. Nun berührte der untere Rand der Sonne den Kirschbaum, die letzte Gelegenheit für heute, sie als Scheibe, Kugel, Gestirn zu sehen. Minuten später schon werden wir die Augen gegen sie abschirmen müssen. Neu war es Ellen, ein Wort wie "lustvoll" in den Tag hinein zu denken. Sich darin zu üben, zuerst die Augen, dann die anderen Sinne zu öffnen. Vor dem dichten Vorhang der Stille die Morgengeräusche des Dorfes einzeln zu unterscheiden. Die Trockenheit, die von leichter Bitterkeit durchsetzte Frische der Luft zu riechen. Die Wärme auf der Haut zu spüren. Auf die sanfte Gegenströmung von innen her warten, die so lange unterdrückt gewesen war und die keinem Zwang gehorchte.
Bis von jenseits der Dorfstraße, aus ihrem mit flammendem Mohn über und über besetzten Vorgarten, …





~*~
„Trinken wir noch was?“, fragte Leo mich. Sein Grinsen sagte mir, dass es eine fragwürdige Idee war.
„Zuhause ...“, schlug ich vor. Da hatte ich ihn auf der sicheren Seite.
„Du bist wunderbar ...“, geriet er etwas ins Schwärmen.
„Du auch Leo. Und jetzt guck nach unten, wenn du den Schritt machst.“
Mit 'dem Schritt' bezeichneten wir die Spanne vom Anleger zum Boot. An sich keine große Sache, aber in Leos Fall zumindest eine Hürde, eine schwankende.
Er meisterte sie mit Bravur.
Weit hatten wir es nicht, daher drehte ich noch eine Kurve, um das Boot etwas zu bewegen, den malerischen Blick vom Wasser aus genießend, vor allem jedoch, um etwas Zeit zwischen jetzt und gleich zu bringen.
Ich war wirklich sehr aufgeregt.
Vor allem nicht sehr geübt in so was.
Aber es wurde Zeit. Bevor mich der Mut verließ.
„Es war ein großartiger Abend ...“, verkündete Leo wiederholt, als wir endlich die Fondamenta Frari erreicht hatten. Er freue sich auf einen Grappa, hatte er mich wissen lassen.
Nun, das war auch eine Idee.
„Cece ...“, sagte er schließlich, als ich dabei war, die Tür aufzuschließen, „... Ich weiß wirklich nicht, wie ich das je wieder gut machen kann.“
Da fasste ich mir ein Herz, zog ihn zu mir, in den Schatten des Torbogens, strich behutsam durch sein Haar. Meine Lippen flüsterten sacht: „Da hätt ich schon eine Idee, Leo ...“
Und dann küsste ich ihn.

(von Jobst Mahrenholz)


~*~
Während Carolyn die Glastür aufschloss, erhob sich die Frau und hechtete mit einem sauberen Kopfsprung ins Wasser. Die Füße waren leicht gespreizt, beim Eintauchen der Schultern stoben kleine markante Spritzer empor. Als Carolyn durch den schattigen Innenhof und über den schmalen Rasenstreifen zum Pool ging, beobachtete sie, wie die Frau in sachtem Bogen aus dem Wasser auftauchte, ihr Körper glich einem Krummsäbel – mit durchgedrücktem Rücken, den Armen seitlich am Körper, geschlossenen Augen und gestrecktem Kopf, verzückt. Im langsamen Auftauchen an die Oberfläche lag eine solche Sinnlichkeit, dass Carolyn sie spürte.
Nun rieb sich die Schwimmerin die Augen. Da sah sie Carolyn am Poolrand und schwamm mit leichten Bruststößen zu ihr. Sie erhob sich am flachen Ende, das Wasser perlte über breite, feste Schultern, tropfte aus den schwarzen Haarsträhnen und rann den Nacken hinab.
Carolyns Blick glitt über verwaschene abgeschnittene Jeans, die knapp bis an die tiefgebräunten Schenkel gingen, zu einem grauen, an üppigen Brüsten klebenden T-Shirt – einem undefinierbar verblichenen Ding –, zu wachen dunkelbraunen Augen und einem großen Mund mit vollen Lippen, die amüsiert zuckten.
Die Frau strich sich das spritzende Haar aus der Stirn. »Eins fünfundachtzig«, sagte sie.
(von Katherine V. Forrest)



~*~
Die Geschichte zum Song "The Boys of Summer"
 
Eine Möwe fliegt dicht an uns vorbei, kreist, bleibt in der Luft stehen und kreischt, dann fliegt sie weiter zum Wehr am Abfluss des Sees. Ich betrachte die samtige Sommerbräune auf Jens gebeugtem Nacken.
»Denkst du noch manchmal an Rob?«, fragt sie bemüht beiläufig.
Jeden Tag, aber das würde ich ihr gegenüber nie zugeben. Rob, wie er das erste Mal den Strand herunterkommt und wir beide den Atem anhalten. Wie er betont langsam geht, jeden anlächelt, alle ihn beachten. Jen dreht sich gelassen, mit einem kleinen Gähnen, zum Wasser um. Sie weiß genau, dass er zu uns kommen wird. Ich starre immer noch.
Schließlich steht er vor uns, lächelt mich an - er lächelt mich an! - und sagt dann etwas zu Jen. Oh, er ist mutig, er versucht nicht, über mich an Jen ranzukommen. Jen antwortet gelangweilt, aber nicht abweisend. Dann dreht sie langsam ihren Kopf über ihre Schulter und schaut ihn von schräg unten an. Der schöne Fremde blickt immer noch zu mir.
Von da an sind wir immer zu dritt unterwegs. Promenieren am Strand, schwimmen um die Wette bis zur Insel, fahren in Robs 50er-Jahre-Cabrio herum. Rob weiß genau, wie gut er aussieht, aber er ist nie überheblich, immer ruhig und souverän.
Im Eiscafé setzen wir uns mit unseren Sonnenbrillen in Positur, bis wir alle Blicke auf uns ziehen. Rob bestellt uns einen Eisvulkan, den wir zu dritt auslöffeln. Jen flirtet hemmungslos, während ich nur versuche, ab und zu mit meiner Eislöffelhand die seine zu streifen. Wir kosten die sonnigen Tage in vollen Zügen aus. Schwimmen abends nackt in einer kleinen Bucht, Rob hört nicht auf mich zu tauchen, unser Lachen schalt über den See, bis Jen Rob an sich zieht und ihn küsst.




~*~
Ihm klebte das T-Shirt am Körper. Zwischen Rucksack und Rücken konnte man bereits Gemüse dünsten, und die Wassermassen zwischen den Hinterbacken luden zu einer Wildwasserfahrt ein. Mit anderen Worten: Für Ende Juni war es mit vierunddreißig Grad zu heiß in Deutschland. Nach der Zeit in Texas hatte er sich auf ein bisschen Abkühlung im deutschen, nasskalten Sommer gefreut. Nada.
Eigentlich wollte er die Strecke vom Bahnhof bis nach Hause gemütlich zu Fuß gehen und dabei sein Heimatstädtchen begrüßen. Schließlich war er acht Monate lang zur Umschulung von der F-4F Phantom auf den Eurofighter in der Sheppard Air Force Base gewesen. Im Prinzip war er froh, zurück zu sein, doch der bevorstehende Spaziergang würde allerdings eher einem Überlebenstraining in sengender Mittagshitze gleichen. Die andere Option wäre ein Taxi. Nein, viel zu dekadent. Dann würde es wieder heißen, die Burschen von der Luftwaffe waren sich zu fein, um dreckige Stiefel zu kriegen.
(Sydney Stafford)

Montag, 16. Juli 2018

Aktion Sommerbuch

Eine kleine Aktion zur Jahreszeit - sommerliche Zitate aus Sommerbüchern. Gern könnt ihr mir auch etwas aus (euren) Büchern zusenden.
Hier geht es mit Teil 1 los!

Uns abwechselnd rudern wir zwischen den Inseln hindurch. Das Wasser wird von dem gleichmäßigen Wind nur wenig bewegt, die Sonne strahlt von einem Himmel, an dem nur einige Schönwetterwolken segeln. Auf der Rückseite einer Insel finden wir eine kleine Bucht. Wir ziehen das Boot ans Ufer und legen uns in den warmen Sand. Rechts und links stehen Weiden, dann zieht sich Schilf bis ins Wasser hinein und lässt nur einen schmalen Blick frei. Das Licht glitzert auf den kleinen Wellen, die auf den Sand rollen, weit weg sieht man das andere Ufer. Ismael liegt neben mir auf der Seite. Ich schaue ihn glücklich an. Er strahlt über das ganze Gesicht, während er mich anlächelt.

~*~
Kreischende Möwen und schreiende Kinder unterbrachen die Ruhe am Strand. Rick betrachtete das Wasser und die kleinen Wellen, die sich darauf bogen. Es war heiß. Nur eine leichte Brise kitzelte ihn an den nackten Armen. Mühsam erkämpfte er sich den Weg durch den Sand und versackte mit den Stiefeln darin.
Sam saß am Ufer. Die Sonne schien ungnädig und ließ ihn blinzeln.
Ihr Strandhaus stand nicht weit entfernt. Seit Anfang der Woche beherrschte ein Hochdruckgebiet ihre Region. Der Sommer begann und das registrierten auch die anderen Bewohner von Asbury Isle. Immer mehr Menschen besuchten den Badestrand; sie legten die Handtücher ab und genossen eine Abkühlung im Meer.

„Was tust du denn hier?“, fragte Sam überrascht. „Nichts los am ersten Arbeitstag, Deputy?“
Rick lächelte. Er kniff die Augen geblendet zusammen und rieb sich verlegen das Kinn, an dem ein Dreitagebart spross.
„Kleine Mittagspause.“ Er ging in die Knie, streichelte Sam über den Rücken und vermied den Kontakt mit dem sandigen Boden.
„Sind sie nett, die Kollegen?“, hakte Sam nach. Er setzte sich auf und rieb den Sand von den Handflächen. Rick deutete ein Nicken an.
„Hast du es ihnen erzählt?“
„Wäre nicht sinnvoll, es zu verheimlichen, oder?
„Was hast du gesagt?“ Sam zog die Beine an. Er strahlte Nervosität aus. Typisch für ihn.
Rick zuckte mit den Schultern. „Ich habe keine große Nummer daraus gemacht. Sie fragten, ob ich Kinder habe und verheiratet bin. Ich habe ihnen gesagt, dass ich ein Haus auf der Insel zusammen mit meinem Partner bewohne.“
Sam schluckte bewegt. „Gut.“

(Justin C. Skylark)




~*~
Zwischen sagenhafter Erleichterung und heißer Enttäuschung darüber, dass Kathrin und Levin nicht aufgetaucht sind, liege ich inmitten meiner Freunde. Die Hitze steht in der Luft, weicht nicht mit der hereinbrechenden Dunkelheit. Es ist heißer als all die Wochen zuvor. Ein Witz, dass am Montag die Schule wieder losgeht. Wie sollen wir uns auf den Schulstoff konzentrieren? Pauken, büffeln, Klausuren hinter uns bringen. Die Ausgelassenheit hat bei uns allen nachgelassen. Wir sind im Laufe der Ferien ruhiger geworden. In uns gekehrter. Je­der von uns hängt seinen Gedanken nach. Ich denke an Kylian … und Levin …
Noch ein Jahr Schüler sein. Ich möchte eigentlich nicht studieren. Möchte lieber die Welt entdecken. Das war ein Traum von mir und Kylian. Aber allei­ne …?
»Jan!« Ein Schwall Wasser landet auf mir. Keine Sekunde später klatscht ein tropfnasses Handtuch auf meinen Bauch und ich krümme mich vor Schreck. Fluche und lache gleichzeitig los. Pius grinst mich mit schräg gelegtem Kopf an. »Schon gepennt? Auf, in die Fluten.«
Erst jetzt bemerke ich, dass einige Jungs in den See gesprungen sind, auf dessen Oberfläche sich be­reits die Mondsichel spiegelt. Auf dem Floß, in der Mitte des abgesteckten Badebereichs, leuchtet eine Taschenlampe. Die sind ja verrückt. Wie haben die die Lampe dahin bekommen? Die Mädels ki­chern und tuscheln, stecken die Köpfe zusammen. Nicht eine hat den Mut, in undurchsichtiges, tief­schwarzes Gewässer zu springen.
Mit einem Satz bin ich auf den Beinen und hech­te hinter meinen Freunden her. Über den Steg, mit einem Kopfsprung ins Wasser. Ich werde den Sommer vermissen. Leichtigkeit umspült mich. Nie­mand weiß, wie oft ich in den letzten Wochen allei­ne hierhergekommen bin. Lachend feuern die Jungs mich und Pius an. Mit ausdauernden Kraulschlägen bin ich wenig später an der schwimmenden Insel angelangt.

aus "Sommer am See" von Elisa Schwarz


~*~
Beinahe jede freie Minute verbrachten Shiro und ich am Strand und im Wasser. Es war perfekt. Einfach schon deshalb, weil wir mit den Strandausflügen alles verbinden konnten, was uns gefiel. Wir bewegten uns, wir hatten immer zu lesen dabei, manchmal auch Musik und in jedem Fall was zu essen. Ab und zu warfen wir Frisbee oder wir hingen einfach nur rum. Es war eine gute Zeit.
An diesem Dienstag also schwamm ich wie üblich weiter raus und zog meine Kreise. Shiro lag am Strand und las. Unser Lager erkannte ich am roten Sonnenschirm.
Dann, irgendwann, erhob er sich und kam mit trägen Schritten ins Wasser.


Paddelte er früher eigentlich immer nur in Ufernähe herum, so schwamm er jetzt mit Vorliebe weit raus und tauchte dann nach Fischschwärmen, die in der Tiefe zu finden waren. Es war mit Shiro immer so, als hielte man nach einem Delphin Ausschau, der nur zum Luftholen an die Wasseroberfläche kam. Also wanderte mein Blick auch an diesem Tag über das Meer, um ihn zu suchen.
Aber die Oberfläche blieb glatt.
Ich wusste, dass er sich genau links von mir weiter in der Tiefe befinden musste, etwa 20 Schwimmstöße entfernt, aber da war nichts.
Doch noch bevor ich begann, mir Sorgen zu machen, schoss er direkt vor mir aus dem Wasser, holte tief Luft und strahlte mich an.
"...Die ganze... Strecke... in einem... durch...", sagte er atemlos und zeigte in die Richtung, wo ich ihn auch vermutet hatte. Er hielt sich an meiner Schulter fest, was ich durch Gegenpaddeln ausglich. Sein Atem ging schnell und sein Haar hing wie immer in dichten, nassen Strähnen vor seinen Augen.
Ich weiß nicht, warum ich es tat, vermutlich wohl einfach, um sein Gesicht sehen zu können und weil er so ausgepowert war, aber ich strich sie ihm nach hinten, so wie er es sonst immer tat und sah ihn an.
Und er sah mich an.
Und auch er strich mein Haar aus meiner Stirn, ganz sanft.
Dann lächelte er irgendwie überrascht, und noch ehe ich begriff, zog er mich zu sich heran und küsste mich.
Es gibt viele Möglichkeiten, wie man reagieren kann, in einer solchen Situation.
Ich stieß ihn einfach weg von mir.
Er zögerte einen Moment, verwirrt, drehte sich erschrocken nach allen Seiten um, so, als ob er etwas suchte - und dann - dann sah ich es. Ich sah in Shiros Augen etwas zerbrechen.
Mit schnellen Schwimmstößen entfernte er sich von mir, immer weiter, Hauptsache einfach nur weg.

(Jobst Mahrenholz)


~*~
Wir gingen durch den Urwald hinunter zum Strand, es war ein heißer Tag gewesen, wie so viele hier, der sich nun jedoch dem Ende zuneigte. Die Sonne stand bereits tief über dem Meer und die Luft hatte eine angenehme Wärme angenommen. Freitag führte mich zur Mündung des Flusses, dorthin, wo ich vor so vielen Jahren das erste Mal den Fuß auf diese Insel gesetzt hatte.
Er legte das Bündel ab, welches er mitgebracht hatte und entledigte sich umgehend seines Lenden-schurzes. Dann stieg er ins Wasser und seufzte dabei zufrieden. Ich wandte mich ab, weniger wegen seiner Nacktheit, sah ich ihn doch alle Tage spärlich bekleidet, so wegen des offensichtlichen Vergnügens, das er empfand und das mir fast unzüchtig erschien.
Freitag rief mir jedoch etwas zu und ich schaute auf. Er schwamm einige Züge bis zu einer Sandbank, dort erhob er sich, schüttelte seine nassen Haarsträhnen, lachte und winkte mir zu.
»Komm, Robinson«, rief er, dann sprang er ins Wasser und schwamm auf mich, der ich mich nicht rührte, zu. Obwohl wir aller Wahrscheinlichkeit nach auf dieser Insel allein waren, so scheute ich mich doch, mich auszuziehen. Auch hatte mich Freitag noch nicht unbekleidet gesehen.
Er stieg jetzt langsam aus dem Wasser, das in Rinnsalen über seinen Körper lief. Die Sonne würde bald untergehen und ließ die kleine Lagune, an welcher wir uns befanden, erstrahlen.