Sonntag, 30. Dezember 2018

Jahresrückblick

Ein kleiner Rückblick von mir auf das nun fast vergangen (Schreib)Jahr


Das Jahr startete sehr gut mit der Veröffentlichung von Marek - Ein Zuhause finden Mitte Januar. An der Erzählung hatte ich lange gearbeitet und nun war es so weit. Zu meiner Freude hatte das Werk bei den LeserInnen Erfolg (gemessen an Verkäufen und Leihen), wurde aber auch, u.a. in einer netten Leserunde, mit positivem Feedback bedacht.

Etwas zu denken gibt mir, dass eine solche Veröffentlichung nach einer recht kurz Zeit dann sehr nachhaltig völlig von der Bildfläche verschwindet, das heißt, später Verkäufe oder gar Resonanz kaum noch auftauchen.  
Aber in jedem Fall habe ich damit "Benjamins Welt" mit einem gutem Gefühl zu Ende gebracht.

Ebenfalls im Januar schrieb ich eine Kurzgeschichte, die bald in einer Benefizanthologie erscheinen wird. Zur Zeit wird die Veröffentlichung vorbereitet.

Danach widmete ich mich einer gänzlich neuen Geschichte, die zuerst einige Recherche erforderte, was auch sehr interessant war. Für das Schreiben fand ich jedoch leider wenig Zeit, so dass der Text nur langsam anwuchs. Obwohl mir das bisher Geschriebene gut gefällt, ist es noch nicht wirklich viel.

Im Frühjahr veröffentlichte ich den Engel auf der Fensterbank doch noch einmal, nachdem ich ihn im Vorjahr vom Markt genommen hatte. Der Versuch mit einem gänzlich anderen Cover brachte auch keinen durchschlagenden Erfolg, aber gleich vier Rezensionen.
Auch Der dünne Boden, auf dem wir stehen bekam ein schickes neues Cover.
Außerdem bin ich mit meiner Homepage umgezogen und habe sie komplett neu aufgebaut.

In der 2. Jahreshälfte habe ich mich dann vermehrt dem Buchsatz für andere Schreibende gewidmet und fühle mich in dem Bereich mittlerweile sicher. Zum Jahresende konnte ich Teil eines besonders schönen Projektes sein (s. vorheriger Post).


Und - last but not least - schrieb ich im Herbst fleißig an der Fortsetzung der Weihnachtsgeschichte und Ende November war es so weit und Weihnachtsküsse 2, zusammen mit Eva Andersson, konnte erscheinen.


In diesem Jahr habe ich definitiv wenig geschrieben, was mich selbst irgendwie ärgert. Was lief, waren Auffrischungen, Hintergrundarbeiten u.ä.
Ein bisschen unzufrieden bin ich schon und habe gute Vorsätze :-)


Sonntag, 23. Dezember 2018

Gestern, morgen, heute von Levi Frost

Noch kurz vor Weihnachten erschien das erste eigenständige Buch von Levi Frost: Gestern, morgen heute - Begebenheiten im Strudel der Zeit.
In die titelgebenden Abschnitte ist es auch unterteilt.
In diesem Buch vereint Levi Frost sowohl bereits in diversen Anthologien veröffentlichte Geschichten (Mein schwules Auge/ Konkursbuch, In seiner Hand/ Incubus, Queerlyrik/ Geest u.a.) und bisher unveröffentlichte Texte. Dazu kommen einige Gedichte. Es handelt sich um Gegenwartstexte, (DDR)-Vergangenheit, Science-Fiction und erotische Geschichten.

Das Werk bietet einen Überblick über sein literarisches Schaffen, gleichzeitig ist es erstaunlich, wie sich Texte, die über einen längeren Zeitraum entstanden sind und unterschiedliche Genre bedienen, zu einer Einheit formen.
Levi Frost zeigt sich hierin als Könner der Kurzgeschichte und auch die Gedichte wissen selbst Lyrik-Muffel (bin ich irgendwie) zu überzeugen!

Einige Zitate, damit ich hier nicht nur Behauptungen aufstelle:


Am Meer riecht es nach Freiheit, sagt man. Es gibt Leute, die behaupten, es stinkt nach Schlick und altem Fisch. Im Frühjahr 1988 roch der Wind über der Ostsee für mich nach Dauerwell-Lö­sung, Rondo-Kaffee und Schokolade aus dem Inter­shop. Wenn er von Westen kam, manchmal nach Stillstand und Resignation. (Nacht am Meer)

 ***
Es riecht nach Spei­chel und Dringlichkeit, erinnert mich dunkel an lan­ge vergangene Spielereien mit Tentakeln, an einem Ort jenseits der Milchstraße.
Nebenbei schließt du die Arme um mich, eng, holst Schwung und legst mich aufs Kreuz. »Lass uns rumsauen«, flüsterst du atemlos. (Einmal Unendlichkeit und zurück)

***
Eines Tages, in einem Leben nach diesem
lege ich meinen Mund auf deine harte, nackte Brust
und atme deinen Herzschlag.
(Irgendwann)

Man kann das Buch auf jeder beliebigen Seite aufschlagen, und wird solche einprägsamen, klaren Sätze finden.
Für das Lektorat zeichnet Devin Sumarno verantwortlich, die auch zwei der Geschichten mitgeschrieben hat. Der Buchumschlag wurde von Manu Ancutici gestaltet. Und ich hatte die Ehre den Buchsatz zu gestalten.
Weder inhaltlich noch in der Ausstattung muss sich das Buch vor einer Verlagsveröffentlichung verstecken. Für alle, die ausgereifte schwule Literatur schätzen genau das Richtige.


Erhältlich bei Amazon als Taschenbuch 407 Seiten 15,95 €
und eBook zu 8,95 €

Freitag, 30. November 2018

Weihnachtsküsse 2 erschienen

Nach dem Spaß, den wir mit Teil 1 hatten, reifte bei uns bald der Entschluss, die Geschichten in diesem Jahr fortzusetzen. Da ich im Sommer beim besten Willen keine Lust auf Weihnachten hatte, musst ich mich nun ranhalten, damit das Werk noch rechtzeitig erscheint.
Beide Geschichten werden im 2. Teil jeweils ein Jahr später fortgesetzt. Funktioniert es zwischen Krissi und Caro noch und welcher Ärger steht bei Eva und Lilly ins Haus?

Weihnachtsmann auf Bestellung von Eva Andersson
Caro und Krissi haben sich am Weihnachtsabend des vorigen Jahres zum ersten Mal geküsst und leben seit dem zusammen. Ihre Vorfreude auf das bevorstehende Fest ist groß. Doch dann muss Krissi sich um ihre kranke Mutter kümmern, einige hundert Kilometer vom eigenen Wohnort entfernt. Dass sie der Mutter bisher noch nicht gesagt hat, dass sie in einer lesbischen Beziehung lebt, macht die Sache für sie nicht leichter. Sie sehnt sich nach Caro, ohne dass sie der Mutter etwas von ihr erzählen könnte. Aber Caro hat sich wieder eine tolle Überraschung ausgedacht ...

Meine Weihnachtselfe von J. Walther
Lilly ist nicht sehr begeistert, dass ihr »Stiefsohn« Basti auch noch seine neue Freundin zu Weihnachten mitbringen will. Obendrein hat sich Eva im ungezügelten Dekowahn den Fuß gebrochen. Doch dann entpuppt sich Bastis Freundin als ganz anders, als erwartet – süß und bezaubernd. Lilly findet sich im Gefühlschaos wieder. Wird sie das Richtige tun?

 


Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen und eine schöne Adventszeit!

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Erhältlich sind die Geschichten bei Amazon als eBook, leihbar über Kindle unlimited, sowie als Taschenbüchlein. Außerdem gibt es nun einen Doppelband mit allen Geschichten aus Teil 1 & 2 (ebenfalls eBook und Print).

Samstag, 3. November 2018

Weihnachtsküsse 2

Coming soon ...

Die Fortsetzung der erfolgreichen Weihnachtsküsse soll Ende November, rechtzeitig zur Adventszeit erscheinen. Beide Geschichten aus dem 1. Band - von Eva Andersson und von mir - werden ein Jahr später fortgesetzt.
Das Buchcover zumindest ist schon entworfen:


Donnerstag, 11. Oktober 2018

Fortsetzung von "Im Zimmer wird es still"

Schon seit langer Zeit existiert in meinem Kopf die Fortsetzung von "Im Zimmer wird es still" - die komplette Handlung und einzelne Szenen. Vor ebenfalls langer Zeit habe ich mal "Notizen" dazu in mein Handy gesprochen.
Und heute, bei strahlendem, warmem Herbstwetter, habe ich diese Notizen endlich mal in ein Schreibheft übertragen. (Mein Handy ist ja auch nicht mehr das Jüngste.)
Die Stichpunkte waren dürftig, aber die Szenen und Bilder wurden in meinem Kopf wieder lebendig. Und ich hatte Lust, diese Geschichte aufzuschreiben. Sie ist eigentlich schon da. Sie ist schön. Es geht um Heiraten, Sterben, Trauer, Freundschaft, Liebe. Ich sehe es vor mir.
Leider spricht alles dagegen, diesen Roman zu schreiben: die Fortsetzung eines Flops zu schreiben ist nicht sehr klug, ich schreibe zu lange an einem Roman, ich verdiene zu wenig an einem Roman und ... ach, ja, über Schwule schreiben ich ja eigentlich auch nicht mehr ...

Aber vielleicht kommt irgendwann die Zeit, wo ich die Möglichkeit habe, es zu schreiben ...



Bis dahin noch eine Leseprobe aus Teil 1
Er hält sein Gesicht einen Moment in die Sonne, registriert die Schönheit des Herbsttages. Er tritt ein paar Schritte vor. Die Sonnenstrahlen lassen die Blätter der Linde gelbgrün aufleuchten, zeichnen helle Lichtkränze um jeden Blattrand. Der Schatten, den ein Ast der Linde auf die Hauswand wirft, wirkt lebendig, fein abgestuft und doch gestochen scharf. Er dreht sich wieder zur Sonne, steckt die Hände in die Hosentaschen. Überblickt die Straße, die friedlich daliegt. Vertrocknete Lindensamen liegen darauf verstreut, bräunlich-golden im Sonnenlicht.
Er geht langsam zurück, lässt die Haustür offen. Sonnenlicht fällt über den Steinfußboden, erhellt den fensterlosen Flur, trägt die Wärme der Luft hinein. Er nimmt Äpfel von der oberen Stiege und geht ins Wohnzimmer. Peter scheint zu schlafen, und er geht leise in die Küche. Er legt die Äpfel auf die Anrichte. Dann wiegt er Mehl und Zucker ab, teilt ein Stück Butter und beginnt, Teig für einen Apfelkuchen anzurühren. Die Küchenmaschine lässt er im Schrank, es geht auch ohne. Er rührt so lange, bis Butter und Zucker schaumig sind, dann gibt er drei Eier dazu, rührt weiter, siebt schließlich nach und nach das Mehl hinein, das sich als samtiger, feiner Berg über den feuchten Teig legt. Dann wäscht er die Äpfel und schält sie, versucht die Schale in einer langen Schlange abzulösen.
Das Haus ist stiller geworden, seit Peter krank ist. Nur noch selten läuft der Fernseher, kein Radio dudelt mehr nebenbei. Die Küchenmaschine staubt ein, er weiß gar nicht mehr, wozu er sie überhaupt gebraucht hat. Er genießt es, Zutaten mit seinen Händen zu bearbeiten, sich Zeit zu lassen.
Ein paar Spatzen zanken sich draußen auf dem Hof. Er hält inne, blickt zum Fenster. Das Sonnenlicht fällt in die Küche, ergießt sich über die Stühle und den Tisch, verfängt sich in einer Dahlie, die in einer Flasche steht, welche einen blau durchscheinenden Schatten auf die Tischplatte wirft. Er lehnt sich an die Kante des Küchenschrankes, Apfel und Schäler in den Händen. Ein perfekter Moment, einfach so. Weil er einen Apfelkuchen backt. Weil die Äpfel süß und aromatisch duften. Weil der Küchentisch wie ein Stillleben aussieht. Die Zeit ist bei ihm angekommen, rast nicht mehr.
Eigenartig, wie sehr die Zeit sich zu beschleunigen beginnt, wenn man älter wird. Als Jugendlicher hatte er das nicht gekannt. Ein Jahr schien endlos, ein Monat, selbst eine Woche, lang. Dann begann er zu arbeiten, wurde älter. Manchmal drehte er sich um, und war erstaunt, wie schnell die Zeit vergangen war. Dass schon Herbst war, die Bäume fast kahl, das Jahr bald zu Ende. Dass das Baby der Nachbarin schon lief, sprach, dann schon drei war. Dass der Urlaub wieder Geschichte war, eingeordnet in ein dickes Album. Dass Peter und er bereits vier Jahre zusammen waren, dann fünf.
Er dreht sich wieder zum Küchenschrank um, beugt sich vor, um Peter sehen zu können. Der schläft noch immer, sieht friedlich und entspannt aus,  wie er es nur noch selten im Schlaf ist. Er betrachtet sein Gesicht, unberührt, losgelöst von der Zeit. Gesicht eines sonnigen Morgens, des Geliebten neben ihm, einer Stunde ebenso perfekten wie simplen Glücks.