Mit ihrem neuesten Roman "Opiumschwaden - Der Mörder von St. Audrey" wendet sich die vielseitige Raik Thorstad einem neuen Genre zu - einem historischen Krimi mit Schauerelementen, verbunden mit einer Liebesgeschichte und auch einem Coming out. Klingt verrückt? Funktioniert aber.
Obendrein ist das ganze in die Form eines Briefes oder Buches, an den besten Freund gerichtet, gekleidet, aber auch das gelingt und macht die Erzählung nicht schwerfällig. Gelegentliche philosophische Einschübe hemmen etwas das Tempo, sind aber kurz und passen zu der Erzählform. Die Sprache bleibt dabei überwiegend stimmig in der Zeit des 19. Jahrhunderts. Wie detailliert man in dieser Zeit selbst einem engen Freund sexuelle Details geschrieben hätte, sei dahingestellt, reißt aber nicht aus der erzählerischen Illusion.
Besonders die Figur des Kobold wirkt sehr interessant, lebendig und changiert zwischen verschiedenen Seiten. Aber auch der Protagonist Benjamin kann mit seinem ehrlichen, bodenständigen Charakter Sympathie gewinnen. Ihre Liebesgeschichte kommt überzeugend und spannend daher. Gegen Ende wird dann leider ein großer Zeitraum mit viel Entwicklung nur kurz zusammengefasst, was sicher für den Spannungsbogen nötig ist, aber doch schade und diesen Teil ein wenig unbefriedigend enden lässt. Gerade die Figur Kobold bleibt hier etwas blass und nimmt für mein Empfinden keine ihrer Persönlichkeit angemessene Entwicklung mehr. Dies betrifft jedoch nur das letzte Kapitel und kann auch den Gesamteindruck nicht verderben.
Ein Hingucker ist natürlich das stimmungsvolle und sehr passende, von Cassandra Kramer gestaltete Cover, das noch vom Incubusverlag, in dem der Roman ursprünglich erscheinen sollte, übernommen ist. Schön hätte ich es gefunden, wenn auch in die Gestaltung des Buchsatzes noch ein paar Elemente alter Buchgestaltung eingeflossen wäre, z.B. eine schöne Gestaltung der Kapitelanfänge. Vielleicht wird dies ja in der Printausgabe umgesetzt.
Die Geschichte weiß ebenso mit Spannung mitzureißen, wie mit einer bildlichen, stimmungsvollen Athmosphäre und lebendigen Figuren. In jedem Fall ein gelungener, sehr lesenswerter und ungewöhnlicher Roman, mit dem Raik Thorstad erneut ihr schreiberisches Können zeigt.
Interview mit Raik Thorstad von 2016
Autorenblog
Cursed Verlag 2017
398 Seiten, eBook 7,49 €, Taschenbuch 10,95 €
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Mittwoch, 9. August 2017
Samstag, 4. Juni 2016
Interview mit Raik Thorstad
Raik wurde 1980 in Osnabrück geboren und lebt heute mit Hunden und Mann in Emmerich am Rhein.
Nach Veröffentlichungen auf der Plattform Fanfiktion erschien 2011 der erste Roman Leben im Käfig. Es folgten Zenjanischer Lotus (Incubus Verlag 2012) sowie Nach der Hölle links 2013 in selben Verlag. Weitere Romane: Zerrspiegel (Cursed Verlag 2014), 3517 Anno Domini - Wir waren Götter (Incubus Verlag 2014) sowie Kurzgeschichten ind diversen Anthologien.
Wie hast Du damals den Schritt von der Veröffentlichung auf einem Online-Portal hin zur ersten
Verlagsveröffentlichung empfunden?
Als sehr merkwürdigen Vorgang. Beim ersten Verlagskontakt
war ich nicht nur vollkommen von den Socken, sondern auch sehr von dem Gedanken
gesteuert, dass dies meine einzige Chance sein würde, mein Buch – Leben im
Käfig – zu veröffentlichen. Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, irgendwann in
einen Copyshop zu marschieren und mir selbst ein gebundenes Exemplar zuzulegen.
Nur, um es mal gedruckt zu sehen. Daher war der Gedanke, dass ernsthaft ein
Verlag an mir Interesse haben sollte, sehr abwegig und irgendwie „zu groß“ für
mich. Und natürlich war es auch eine Umstellung, als ich auf einmal für den
Cursed Verlag „alleine“ – das heißt, ohne die Unterstützung der Leser auf dem
Online-Portal – schreiben musste.
Dass
der „FWZ-Verlag“ seine AutorInnen enttäuscht hat, ist ja kein Geheimnis –
was war für Dich persönlich das Schlimmste daran?
Aus damaliger Sicht war das Schlimmste sicherlich,
irgendwann die Augen zu öffnen und festzustellen, dass selbst die
rudimentärsten Verlagspflichten nicht erfüllt wurden und dadurch mein Buch arg gelitten
hat. Aber ich kann das nicht allein dem Verlag anlasten. Ich bin da ja auch
blauäugig reingelatscht, nech? Aus heutiger Sicht empfinde ich den Schaden, den
FWZ im Genre angerichtet hat, als schlimmer. Das Vertrauensverhältnis zwischen
Autoren und Verlag wurde schon arg erschüttert.
Habe ich das denn überhaupt? Da bin ich mir gar nicht so
sicher. Ich glaube persönlich, dass man Schreiben meiner Ansicht nach in erster
Linie durch Praxis, Rückmeldung und durch zeitlichen Abstand zu den eigenen
Arbeiten lernt. Sicher auch dadurch, selbst viel zu lesen. Darüber hinaus bin
ich ein Stück weit überfragt, weil ich den Prozess des Lernens bei mir nicht
als abgeschlossen betrachte. Und ich weiß auch gar nicht, ob man ihn
tatsächlich abschließen KANN.
Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Das erste größere
Projekt müsste tatsächlich eine Fanfiction gewesen sein. Alle Langzeitprojekte,
die vorher begonnen wurden, habe ich entweder irgendwann frustriert in den
Mülleimer befördert oder liegen noch unvollendet auf meiner Festplatte.
Es gibt allerdings eine Menge frühe Kurzgeschichten von
mir, irgendetwas von einem Wattwurm namens Tom und ein Märchen um Mont St.
Michel. Das sind quasi Frühwerke, die bis heute eifersüchtig von meiner Mutter
gehütet werden. *g*
Als Stichpunkte fallen mir spontan Lynn Flewelling und
die Autoren der frühen DSA-Romane ein. Denn die haben schon in den frühen Neunzigern
LGBT-Charaktere mit größter Selbstverständlichkeit in ihre Fantasy-Romane
eingeflochten. Als Teil von Projekten, die gar nicht auf Homosexualität
fokussieren, aber sie eben doch „in sich“ tragen und daraus etwas ganz
Entspanntes machen.
Um den Rahmen nicht zu sprengen, werfe ich dann noch
einfach ein paar Namen in den Raum: Terry Pratchett, Susan E. Hinton, Walter
Moers, Michael Ende, Rebecca Gablé, H.P. Lovecraft, Tad Williams, J. R. R.
Tolkien, Anne Rice, Larry Ebmeier, Jane Yolen, Madeleine L’Engle, Scott O‘ Dell
…
Puh, es ufert aus, je länger ich zum Bücherregal schaue.
Sagen wir: Es haben viele Bücher Spuren hinterlassen, und
damit auch ebenso viele Autoren. Es beginnt irgendwo bei meinen geliebten
Kinderbüchern und endet bei Neuentdeckungen. Ich bin ein Vielfraß.
Du
schreibst ebenso prägnante Kurzgeschichten wie sehr umfangreiche Romane.
Wo liegen für Dich darin Vor- und Nachteile?
Der Vorteil beim Roman ist für mich ganz klar die
umfangreiche Weltenschaffung. Ich versuche, einen Sog entstehen zu lassen, der
den Leser mit in die Welt nimmt, in der ich mich gerade bewege. Das ist etwas,
was ich beim Lesen selbst sehr liebe und entsprechend versuche ich es auch in
meine eigenen Bücher einzubauen. Man bindet sich langfristig an Charaktere
und/oder ein Universum und kann sich darin ein Stück weit Zuhause fühlen. Das
hat allerdings den Nachteil, dass ich selbst oft innerlich an Grenzen des
emotional Zumutbaren stoße. Für mich und auch für die Leser.
Das ist bei Kurzgeschichten wieder ganz anders. Ich
finde, gerade Schmerz oder Grausames lässt sich unglaublich gut in kürzeren
Geschichten transportieren. Außerdem lässt sich mit Kurzgeschichten für mich
weit besser experimentieren. Neue Sichtweisen, ein anderer Stil, ein anderer
Ansatz. Häufig auch einfach eine Botschaft, die auf 10 Seiten deutlicher
hervortritt, als wenn sie in 800 Seiten versteckt wäre.
Der Nachteil der Kurzgeschichten ist dann aber auch
wieder der Vorteil der Romane: Man kann nicht in dem Leseuniversum verweilen,
sondern wird wieder herausgeschleudert, bevor man sich dort heimisch fühlen
kann – was wiederum bei vielen Kurzgeschichten auch besser so ist. Gerade, wenn
es unter die Haut geht.
Da muss ich das Pferd von hinten aufzäumen: Erst einmal
ist es so, dass ich so gut wie alle Genres selbst lese. Für mich gibt es daher
nicht so etwas wie ein „Lieblingsgenre“. Weder als Autor noch als Leser. Es
gibt sicher Phasen, in denen ich erst viel Fantasy lese/schreibe und dann auf
einmal wochenlang Historien-Schlagseite bekomme. Aber ich bevorzuge nichts. Das
wäre für mich, als würde ich täglich ins Restaurant wandern und jedes Mal
Schnitzel bestellen, obwohl ich auch Sushi, Pasta oder Grünkohl haben könnte.
Verbindend ist für mich immer die Liebe zur Geschichte an
sich. Ich muss sie in mir haben, sie vor mir sehen, und da ist es nicht
wichtig, ob ich mich in Hamburg bewege oder in einer Fantasy-Welt. Sie muss für
mich real sein – und das ist sie
während des Schreibens auch.
Schön
gesagt. Und wie recherchierst Du? Wie unterscheiden sich da Historie,
Fantasy, Gegenwart und Science Fiction?
Da gibt es sehr große Unterschiede. Alle meine bisherigen
Gegenwartsromane hatten den Vorteil, dass sie sich aus einem bereits
vorhandenen Wissenspool bedienen konnten. Ich habe mich da also nicht
hingesetzt und überlegt, was ein interessantes Thema sein könnte und mir
anschließend Wissen herangeschafft, sondern habe auf das aufgebaut, was ich
früher schon gelernt oder selbst erlebt habe.
Ähnlich ist es bei meinem antiken Langzeit-Projekt. Da
schreibe ich auch über eine Zeit, über die ich vorher schon viel Fachwissen
gehortet hatte. Allerdings kommen hier zwei Besonderheiten hinzu: widersprüchliche
historische Quellen und in einem Fall vollständig fehlende Quellen. Das macht
die tiefere Recherche zu einer ziemlich chaotischen Angelegenheit, die mich
schon einige Haarbüschel, viel Zeit und etlichen Touren zu verschiedensten
Ausgrabungen und Museen gekostet hat.
Allgemein ist es natürlich so, dass Recherche zu
historischen Themen immer schwieriger wird, je weiter sie zurückgehen. Das Alte
Rom ist nun sehr gut protokolliert, die alten Germanen aber so gar nicht. Da
ist es schon sehr viel leichter, im England von 1832 herumzustöbern.
Die Recherche in Sachen Fantasy ist eine eher eigenartige
Sache, muss ich sagen. Denn im Grunde muss ich die Hintergrundwelt, über die
ich schreiben will, ja erst einmal selbst aufbauen. Ich kann keine Karten aus
der Bibliothek holen und auch keine Mails an Freunde mit Fachwissen schicken. Ich
muss praktisch mit Pinsel und Vermessungsgerät losziehen und meine eigene Welt
ausgraben.
Ganz allgemein kann ich sagen: Ich suche mir immer
Themen, die mich selbst interessieren, und versumpfe dann praktisch in der
Recherche. Museen, Englandbesuche, Gebäudebegehungen, Nachfragen bei
Universitäten, die Suche nach Fachbüchern – gern auch sehr alten - und Karten,
Dokumentationen, soweit es sie gibt, und natürlich immer wieder meine armen
Mitmenschen, die ich aus diesem oder jenem Grund löchere.
Wie oben schon erwähnt: Die sogenannten Germanen machen
einem wirklich das Leben schwer. Es gibt von ihnen keinerlei Quellen aus erster
Hand. Alle schriftlichen Zeugnisse stammen von anderen und sind in weiten
Teilen entweder von oben herab verfasst oder schlicht Propagandamaterial. Es
gibt da ein schönes Zitat aus einem Buch über die Germanen, das besagt, dass
wir nicht einmal genau wissen, wer
die Germanen eigentlich waren, geschweige denn, dass wir in der Lage wären zu
erkennen, was genau jetzt germanisch ist
oder nicht. Das trifft die Sache ziemlich gut.
Was die Schnitzer angeht, muss man wahrscheinlich meine
Leser fragen. *g* Aber ich habe schon einmal das Kolosseum um 70 Jahre nach
vorn verpflanzt – das war mir ja sowas von peinlich … - und den Römern
Asterix-like rote Umhänge verpasst. Gott sei Dank habe ich eine fähige
Archäologin im Freundeskreis, die mich darauf hingewiesen hat, dass die Römer
um Null zwar Purpur wasserfest färben konnten, aber noch nicht das klassische
Rot, wie wir es heute oft in Filmen sehen. Rot ist ihnen beim ersten Regen aus
dem Stoff gelaufen, und SO pink sollte der Roman dann wirklich nicht werden. ;)
Sie springen mich an, fürchte ich. Meistens beginnt es
mit einer einzelnen Fragestellung. „Was wäre, wenn wir es wirklich schaffen,
unsere Erde so zu versauen, dass nur noch Leben auf dem Meer möglich ist?“ „Was
wäre, wenn die aktuelle Entwicklung weitergeht und die Schneise zwischen den
Reichen, die Zugang zur Technologie haben, und den Armen noch weiter aufreißt?“
„Wieso erzählt eigentlich niemand die Geschichten der Fantasy-Charaktere, die
im Computerspiel und im Film als erstes über die Klinge springen?“ „Wie war es
wohl nach dem Tod von Edward II. als schwuler Mann in England zu leben?“ „Wie
sind Menschen im 19. Jahrhundert mit Problemstellung XY umgegangen?“
Danach entstehen Anfang und Ende, als nächstes Gesichter
und Wesensarten. Dann kommt das „Ich muss doch mal nachschauen, ob …“-Gefühl in
mir auf und der Rest ist dann im wahrsten Sinne des Wortes Geschichte.
Ja, „Opiumschwaden“ ist schon beim Lektor auf dem
Schreibtisch.
Die Geschichte spielt in England um 1843 bzw. wird die
Geschichte um diese Zeit erzählt. Wir haben es mit einem Ich-Erzähler zu tun,
der von Ereignissen berichtet, die 11 Jahre vorher stattgefunden haben und aus
Gründen, die ich hier noch nicht verraten will, zur Flucht aus seiner Heimat
geführt haben. An der Stelle merkt man sicher, dass ich zuletzt viel mit alten
Gruselgeschichten zu tun hatte – die berühmte Geschichte in der Geschichte. ;)
Der Name des Erzählers, der fein säuberlich alles
aufschreibt, ist Benjamin Underwood. Er ist ein Rechtanwaltsgehilfe in London
und wird von seinem Arbeitgeber auf eine Reise nach Plymouth geschickt. Auf dem
Rückweg erleidet die Kutsche in Dartmoor einen Achsenbruch, sodass Benjamin und
der Kutscher dort stranden. Hilfe finden sie in einem winzigen Dorf, in dem man
sie aufpäppelt. Nicht ganz uneigennützig, wie sich herausstellt, denn der
Dorfvorsteher bittet Benjamin gleich am nächsten Tag um Hilfe: Auf einer
Lichtung hinter dem Dorf liegt ein Toter, und die Hilfe aus Exeter, nach der
man geschickt hat, noch weit. Die Angst geht in St. Audrey um, und Benjamin hat
nicht das Herz, die Leute im Stich zu lassen. Bei seinen Ermittlungen trifft er
auf einen jungen Einsiedler, der einige Komplikationen auslöst und nicht
zuletzt Benjamin in Schwierigkeiten bringt. Denn zuhause wartet seine schwangere
Ehefrau auf ihn, die sicher gar nicht begeistert wäre, wenn sie wüsste, wie
sehr Ben sich zu dem „Verrückten vom See“ hingezogen fühlt …
Alles in allem: Wir haben Historie, wir haben einen
Krimi, wir haben ein düsteres Moor, wir haben einen Mörder, wir haben einen
innerlich zerrissenen Mann und wir haben einen Einsiedler, der nicht ganz bei
Verstand ist, aber von dem sich doch viel lernen lässt.
Den Rest müssten die Leser schon selbst rausfinden. ;)
Ich habe eine Menge in der Planung. Fest steht neben
„Opiumschwaden“, dass ein neuer Roman von mir beim Cursed Verlag erscheinen
wird. Über den darf ich aber noch nicht so viel erzählen. Nur, dass es tatsächlich
ein Gestaltwandler-Roman wird. (Ich kann’s selbst fast nicht fassen. *lach*)
Dann kommt früher oder später „Das Würfelspiel der
Götter“. Da habe ich jetzt schon ein bisschen Angst vor. Ich habe mich nämlich
noch nicht getraut, auf die Wortzahlen zu schauen und wir sind jetzt schon bei
80 Kapiteln. Und natürlich der zweite und dritte Band der Sunda-Trilogie,
„Zenjanisches Feuer“ und „Zenjanische Asche“.
Das sind die nächsten vier, die ich theoretisch auf der
Uhr habe. Wie es am Ende wirklich kommt, ist eine ganz andere Sache. Wie oben
schon erwähnt, gerate ich beim Schreiben in „Phasen“. Kann daher also
passieren, dass mich ein Contemporary-Roman anspringt, der unbedingt vorher
geschrieben werden will. Oder ein Kochbuch. Wer weiß es schon? ;)
Mittwoch, 12. August 2015
Autoreninterview "Zusammen finden" - Teil 2
Hier nun der 2. Teil der Interviews mit den AutorInnen der Benefiz-Anthologie - näheres zum Buch hier!
Damit beantwortet sich auch gleich die 2. Frage - sie ist in der Tat Teil eines größeren "Zusammenhangs": in erster Linie ist die Welt für meine Kinderbuchreihe "Assjah" entstanden. Allerdings plane ich durchaus die Geschichte um Nazar und Kiama auszubauen, da es eine Menge Spaß macht die Abenteuer der Beiden zu erzählen und ich nur einen Bruchteil meiner Träume aufgeschrieben habe - die zwei Magiern, die nur zusammen zaubern können, haben mich nämlich vor einer Weile in mehreren Nächten heimgesucht. Sprich irgendwann wird es mehr zu ihnen geben. Dann kann ich auch mehr von Adaan zeigen, insbesondere die Orte und Geschöpfe, die mich am meisten faszinieren.
S.B. Sasori – Rabendieb
Du hast Dich bereits für Wölfe
eingesetzt, nun geht es um einen gefangenen Raben. Was bewegt Dich an
dem Thema?
Bei den Wölfen
und bei Jakob handelt es sich um Themen, die vor meiner Haustür
warten.
Die Wölfe ziehen
praktisch wenige Kilometer an unserem Wohnort vorbei und sorgen
sowohl bei Jägern als auch bei den vielen Schafzüchtern für heiße
Diskussionen. Schon deshalb war es mir ein Bedürfnis, eine Lanze für
sie zu brechen. Der Erlös der Anthologie, an der viele Kollegen
mitgeschrieben haben, geht an NABU "Willkommen Wolf".
Meine jüngste
Tochter hatte bereits das Glück, vier Wolfswelpen auf dem Heimweg
von einer Feier aus nächster Nähe zu sehen. Ihre Augen leuchten
immer noch, wenn sie davon erzählt.
Und Jakob ... ja
den gibt es wirklich. Er lebt im Tierpark hier im Ort.
Seit er ein
Jungvogel ist, ist er eingesperrt. Mittlerweile ist er so alt, dass
er wirklich kaum noch auf die oberste Stange flattern kann. Sein
Leben lang ist er nie richtig geflogen.
Meine mittlere
Tochter war schon oft kurz davor, ihn einfach freizulassen und ich
hatte Mühe ihr klarzumachen, dass das "kriminell" ist.
Dabei hätte ich dieses verdammte Vorhängeschloss liebend gern
selbst aufgebrochen.
Um ihm die Zeit
zu vertreiben besuchen wir ihn oft und reden ein bisschen mit ihm.
Seinen Namen kann er absolut verständlich formulieren. Ist ein
krasser Vogel.
Lasse ich ihn ein
paar Tage allein, dreht er mir schmollend den Rücken zu und ich muss
ihn mit Hundeleckerli bestechen.
Er hat schon
längst eine eigene Geschichte verdient und die hat er nun bekommen. Zumindest dort
wird er befreit.
Raik Thorstad - Das steinerne Bild
Was hat Dich zu dieser Geschichte
inspiriert?
Menschliche
Wahrnehmung ist für mich ein total spannendes Thema, über das man
viel öfter stolpert, als man bewusst - haha - wahrnimmt. Ich
schätze, kaum jemand von uns kann sich davon freimachen, dass er
irgendetwas an sich anders bewertet als andere. Einige überschätzen
sich vielleicht, aber ich glaube, Unterschätzung ist viel häufiger.
Wie viele Mädchen wollen nicht tanzen, weil sie sich zu kurvig
finden? Wie viele Männer finden sich zu klein? Wie viele Leute sind
davon überzeugt, dass sie zu dick/zu dumm/zu hässlich bis hin zu
nutzlos sind? Beim Steinernen Bild habe ich mich gefragt, wie es sich
wohl auf eine Liebe auswirkt, wenn eine der Parteien (oder noch
schlimmer beide) sich selbst nicht richtig sehen kann und immer nur
vom Schlimmsten ausgeht.
Juliane Seidel – Zwillingsmond
Was hat Dich an der von Dir
erschaffenen Fantasywelt besonders fasziniert? Ist sie Teil eines
größeren »Zusammenhangs«?
Eine schwierige Frage, zu der ich etwas
weiter ausholen muss. Um ehrlich zu sein habe ich die Fantasywelt
Adaan nicht für die Kurzgeschichte entwickelt, sondern (gemeinsam
mit Tanja) schon viel früher: für meine Kinderbuchreihe "Assjah".
Darin ist Adaan eine von vier Welten, die sich der Hauptcharakter Kim
ausgedacht hat und in seinen Träumen bereist. Daher kommen in
"Zwillingsmond" auch Figuren vor, die in "Assjah"
eine wichtige Rolle spielen: Annatar und Shamalla. Da ich Adaan sehr
gerne mag und die Welt am meisten ausgearbeitet ist, habe ich mich
entschieden "Zwillingsmond" dort spielen zu lassen. Meine
Geschichtsidee hat einfach wunderbar hinein gepasst, da Magie in
Adaan eine große Rolle Spielt. Leider konnte ich von der Welt nur
wenig offenbaren, einfach weil mir der Platz für längere
Erklärungen fehlte. Daher kommen viele Dinge, die mich an Adaan
faszinieren gar nicht zur Sprache: die Welt unter der Oberfläche -
eine Art Unterwelt, die ganz Adaan unterhöhlt und in der
unterschiedliche Kreaturen leben. Auch die unterschiedlichen Länder
und Lebewesen, die Adaan bevölkern, kommen nur am Rande vor. Es gibt
da viel mehr - sogar eine Landkarte, auf der man einen Teil der
Handlungsorte aus "Zwillingsmond" wiederfinden kann:Damit beantwortet sich auch gleich die 2. Frage - sie ist in der Tat Teil eines größeren "Zusammenhangs": in erster Linie ist die Welt für meine Kinderbuchreihe "Assjah" entstanden. Allerdings plane ich durchaus die Geschichte um Nazar und Kiama auszubauen, da es eine Menge Spaß macht die Abenteuer der Beiden zu erzählen und ich nur einen Bruchteil meiner Träume aufgeschrieben habe - die zwei Magiern, die nur zusammen zaubern können, haben mich nämlich vor einer Weile in mehreren Nächten heimgesucht. Sprich irgendwann wird es mehr zu ihnen geben. Dann kann ich auch mehr von Adaan zeigen, insbesondere die Orte und Geschöpfe, die mich am meisten faszinieren.
Paul Senftenberg - Liebe ohne Namen
Das Essay entstand für ein geplantes
Buch. Über welche Filme wirst Du darin noch schreiben?
Wer
meine bisherigen Bücher kennt, weiß, dass darin immer wieder Bezüge
zu Filmen und zum Kino vorkommen; am augenscheinlichsten ist dies der
Klassiker Frankenstein, der in dem Roman Eine ganz andere
Liebe eine nicht unwichtige Rolle spielt.
Seit
meiner Jugend bin ich ein großer Filmfan, vor ungefähr drei Jahren
habe ich damit begonnen, über die schönsten, bewegendsten, auch die
erschreckendsten, einfach die stärksten Szenen aus schwulen Filmen
zu schreiben – anfangs nur für mich selbst; die Idee, dass daraus
eines Tages ein Buch werden könnte, ist erst mit der Zeit gereift.
Meine Sammlung ist keine Bestenliste, ich habe eine ganz subjektive
Auswahl von über achtzig Gänsehautmomenten getroffen. Allseits
bekannte Filme wie Brokeback Mountain, Milk und A Single
Man kommen darin vor, ich bin aber auch auf eher unbekannte
Perlen wie El Mar, Animals und Contracorriente
gestoßen; auch einige Fernsehserien wie Brothers and Sisters,
Spartacus und Queer as Folk sind darunter.
In
meinen Essays mache ich diese wunderbaren Augenblicke des schwulen
Films für die Leser wieder erlebbar, sie stellen eine Hommage, eine
Liebeserklärung dar. Und ausgehend davon schreibe ich das eine Mal
über filmhistorische Aspekte oder bestimmte Schauspieler oder
Regisseure, ein anderes Mal über psychologische oder philosophische
Überlegungen oder stelle literarische Bezüge her. Unter dem Titel
Gay Movie Moments wird die Sammlung im kommenden Jahr im
Verlag Homo Littera herauskommen – nicht zuletzt aufgrund der
vielen Fotos, für die die Rechte eingeholt werden mussten, auch für
den Verlag ein extrem aufwendiges Unterfangen.
Karolina Peli - Von Liebe,
Anhänglichkeiten und Fluchten
Wie kam Dir die Idee zu Deiner
Geschichte?
Ein Stück weit,
wahre Begebenheit. Ich habe einen Bekannten, der sich trennte. Aber
nicht damit zurechtkam. Er klammerte sich fest. Rundum im
Freundeskreis. Jeder kam mal eine Weile dran. Im Endeffekt merkte er,
was er da tat.
Moritz Berg und J. Walther - Nie
vergessen
Lieber Moritz, Du warst noch nie in
Italien. Wie ist es Dir gelungen, Dich in den Handlungsort
hineinzuversetzen?
Ich liebe es zu
reisen, es kann eigentlich gar nicht weit genug weg sein. Dabei kamen
aber so einige Ecken von Europa bis jetzt viel zu kurz. Gerade
Italien, das eigentlich nur wenige Stunden mit dem Auto entfernt ist,
hatte ich bei der Urlaubsplanung völlig unbeachtet gelassen. Vor ca.
einem Jahr entstand zum ersten Mal der Gedanke Italien zu besuchen,
aber noch immer stand es auf der Wunschliste weit unten.
Als die Idee
zusammen mit Jana etwas zu schreiben aufkam, stand schnell fest, dass
es in Italien spielen sollte. Ich beschäftigte mich mehr mit dem
Land, schaute viele Bilder an, besuchte den Ort virtuell. Dabei
tauche ich in die Bilder ein und versuche dem Leser genau die Gefühle
zu vermitteln, die ich dabei habe, egal, ob ich den Ort persönlich
schon besucht habe oder nur in der Vorstellung. Ich hoffe, dass es
mir gelungen ist.
Chris P. Rolls - Die Anmut von Gras
Du überraschst hier mit einem anderen
Stil und Deiner vermutlich kürzesten Geschichte bisher. Wie kommt
es? War das Schreiben dieses Texte anders als sonst?
Ich habe mich in
letzter Zeit öfter an etwas kürzeren Sachen probiert, auch wenn die
mir nicht so recht liegen. Aber es macht Spaß, möglichst viel
wegzulassen, nur das Wichtigste anzudeuten und den Rest dem Leser zu
überlassen. Dadurch bastelt man aber etwas mehr an dem Text herum,
denn alle kleinen Puzzleteilchen müssen ja am rechten Fleck sein, um
entdeckt werden zu können. Insofern war es anders, weil ich den Text
ein paar Mal durchgehen musste, ob ich alle Hinweise auch drin hatte.
Auf jeden Fall ein interessantes Experiment.
Ich bedanke mich bei
allen AutorInnen für die Antworten. Ein besonderer Dank für die
Unterstützung des Projektes geht auch an die Verlage Incubus, dead soft
und insbesondere Cursed für den Buchsatz!
Das Taschenbuch ist nun auch erschienen!
Das Taschenbuch ist nun auch erschienen!
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