Posts mit dem Label Jobst Mahrenholz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jobst Mahrenholz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 31. Juli 2018

Aktion Sommerbuch Teil 2

Weiter geht es mit der Aktion Sommerbuch ...

Den Beginn macht das ultimative #Sommerbuch - Sommerstück von Christa Wolf

Jetzt müssen wir von der Hitze reden. Die hatte erst angefangen, wir wussten noch nicht, daß es Die Hitze war. Ein schöner Sommer wird das, sagten die Leute. Ein warmer Sommer. Ein Hitzesommer. Die Zeitungen fingen an, ihn vorsichtig zu tadeln. Er hielt sich nicht an die Produktionspläne der Landwirtschaft. Woche um Woche fiel kein Tropfen Regen, und das in dieser meernahen Gegend. Die Natur schien gegen sich selbst zu arbeiten. Jeden Morgen stieß Ellen die Hintertür auf, trat auf den Grashof: Da war er, der sich gleich bleibende Sommer. Da stand die Sonne hinter dem lichten Kirschgehölz und sang. Sang wie hundert Stare, die als kreischende dunkle Wolke aufstoben, wenn Ellen in die Hände klatschte. Nun berührte der untere Rand der Sonne den Kirschbaum, die letzte Gelegenheit für heute, sie als Scheibe, Kugel, Gestirn zu sehen. Minuten später schon werden wir die Augen gegen sie abschirmen müssen. Neu war es Ellen, ein Wort wie "lustvoll" in den Tag hinein zu denken. Sich darin zu üben, zuerst die Augen, dann die anderen Sinne zu öffnen. Vor dem dichten Vorhang der Stille die Morgengeräusche des Dorfes einzeln zu unterscheiden. Die Trockenheit, die von leichter Bitterkeit durchsetzte Frische der Luft zu riechen. Die Wärme auf der Haut zu spüren. Auf die sanfte Gegenströmung von innen her warten, die so lange unterdrückt gewesen war und die keinem Zwang gehorchte.
Bis von jenseits der Dorfstraße, aus ihrem mit flammendem Mohn über und über besetzten Vorgarten, …





~*~
„Trinken wir noch was?“, fragte Leo mich. Sein Grinsen sagte mir, dass es eine fragwürdige Idee war.
„Zuhause ...“, schlug ich vor. Da hatte ich ihn auf der sicheren Seite.
„Du bist wunderbar ...“, geriet er etwas ins Schwärmen.
„Du auch Leo. Und jetzt guck nach unten, wenn du den Schritt machst.“
Mit 'dem Schritt' bezeichneten wir die Spanne vom Anleger zum Boot. An sich keine große Sache, aber in Leos Fall zumindest eine Hürde, eine schwankende.
Er meisterte sie mit Bravur.
Weit hatten wir es nicht, daher drehte ich noch eine Kurve, um das Boot etwas zu bewegen, den malerischen Blick vom Wasser aus genießend, vor allem jedoch, um etwas Zeit zwischen jetzt und gleich zu bringen.
Ich war wirklich sehr aufgeregt.
Vor allem nicht sehr geübt in so was.
Aber es wurde Zeit. Bevor mich der Mut verließ.
„Es war ein großartiger Abend ...“, verkündete Leo wiederholt, als wir endlich die Fondamenta Frari erreicht hatten. Er freue sich auf einen Grappa, hatte er mich wissen lassen.
Nun, das war auch eine Idee.
„Cece ...“, sagte er schließlich, als ich dabei war, die Tür aufzuschließen, „... Ich weiß wirklich nicht, wie ich das je wieder gut machen kann.“
Da fasste ich mir ein Herz, zog ihn zu mir, in den Schatten des Torbogens, strich behutsam durch sein Haar. Meine Lippen flüsterten sacht: „Da hätt ich schon eine Idee, Leo ...“
Und dann küsste ich ihn.

(von Jobst Mahrenholz)


~*~
Während Carolyn die Glastür aufschloss, erhob sich die Frau und hechtete mit einem sauberen Kopfsprung ins Wasser. Die Füße waren leicht gespreizt, beim Eintauchen der Schultern stoben kleine markante Spritzer empor. Als Carolyn durch den schattigen Innenhof und über den schmalen Rasenstreifen zum Pool ging, beobachtete sie, wie die Frau in sachtem Bogen aus dem Wasser auftauchte, ihr Körper glich einem Krummsäbel – mit durchgedrücktem Rücken, den Armen seitlich am Körper, geschlossenen Augen und gestrecktem Kopf, verzückt. Im langsamen Auftauchen an die Oberfläche lag eine solche Sinnlichkeit, dass Carolyn sie spürte.
Nun rieb sich die Schwimmerin die Augen. Da sah sie Carolyn am Poolrand und schwamm mit leichten Bruststößen zu ihr. Sie erhob sich am flachen Ende, das Wasser perlte über breite, feste Schultern, tropfte aus den schwarzen Haarsträhnen und rann den Nacken hinab.
Carolyns Blick glitt über verwaschene abgeschnittene Jeans, die knapp bis an die tiefgebräunten Schenkel gingen, zu einem grauen, an üppigen Brüsten klebenden T-Shirt – einem undefinierbar verblichenen Ding –, zu wachen dunkelbraunen Augen und einem großen Mund mit vollen Lippen, die amüsiert zuckten.
Die Frau strich sich das spritzende Haar aus der Stirn. »Eins fünfundachtzig«, sagte sie.
(von Katherine V. Forrest)



~*~
Die Geschichte zum Song "The Boys of Summer"
 
Eine Möwe fliegt dicht an uns vorbei, kreist, bleibt in der Luft stehen und kreischt, dann fliegt sie weiter zum Wehr am Abfluss des Sees. Ich betrachte die samtige Sommerbräune auf Jens gebeugtem Nacken.
»Denkst du noch manchmal an Rob?«, fragt sie bemüht beiläufig.
Jeden Tag, aber das würde ich ihr gegenüber nie zugeben. Rob, wie er das erste Mal den Strand herunterkommt und wir beide den Atem anhalten. Wie er betont langsam geht, jeden anlächelt, alle ihn beachten. Jen dreht sich gelassen, mit einem kleinen Gähnen, zum Wasser um. Sie weiß genau, dass er zu uns kommen wird. Ich starre immer noch.
Schließlich steht er vor uns, lächelt mich an - er lächelt mich an! - und sagt dann etwas zu Jen. Oh, er ist mutig, er versucht nicht, über mich an Jen ranzukommen. Jen antwortet gelangweilt, aber nicht abweisend. Dann dreht sie langsam ihren Kopf über ihre Schulter und schaut ihn von schräg unten an. Der schöne Fremde blickt immer noch zu mir.
Von da an sind wir immer zu dritt unterwegs. Promenieren am Strand, schwimmen um die Wette bis zur Insel, fahren in Robs 50er-Jahre-Cabrio herum. Rob weiß genau, wie gut er aussieht, aber er ist nie überheblich, immer ruhig und souverän.
Im Eiscafé setzen wir uns mit unseren Sonnenbrillen in Positur, bis wir alle Blicke auf uns ziehen. Rob bestellt uns einen Eisvulkan, den wir zu dritt auslöffeln. Jen flirtet hemmungslos, während ich nur versuche, ab und zu mit meiner Eislöffelhand die seine zu streifen. Wir kosten die sonnigen Tage in vollen Zügen aus. Schwimmen abends nackt in einer kleinen Bucht, Rob hört nicht auf mich zu tauchen, unser Lachen schalt über den See, bis Jen Rob an sich zieht und ihn küsst.




~*~
Ihm klebte das T-Shirt am Körper. Zwischen Rucksack und Rücken konnte man bereits Gemüse dünsten, und die Wassermassen zwischen den Hinterbacken luden zu einer Wildwasserfahrt ein. Mit anderen Worten: Für Ende Juni war es mit vierunddreißig Grad zu heiß in Deutschland. Nach der Zeit in Texas hatte er sich auf ein bisschen Abkühlung im deutschen, nasskalten Sommer gefreut. Nada.
Eigentlich wollte er die Strecke vom Bahnhof bis nach Hause gemütlich zu Fuß gehen und dabei sein Heimatstädtchen begrüßen. Schließlich war er acht Monate lang zur Umschulung von der F-4F Phantom auf den Eurofighter in der Sheppard Air Force Base gewesen. Im Prinzip war er froh, zurück zu sein, doch der bevorstehende Spaziergang würde allerdings eher einem Überlebenstraining in sengender Mittagshitze gleichen. Die andere Option wäre ein Taxi. Nein, viel zu dekadent. Dann würde es wieder heißen, die Burschen von der Luftwaffe waren sich zu fein, um dreckige Stiefel zu kriegen.
(Sydney Stafford)

Montag, 16. Juli 2018

Aktion Sommerbuch

Eine kleine Aktion zur Jahreszeit - sommerliche Zitate aus Sommerbüchern. Gern könnt ihr mir auch etwas aus (euren) Büchern zusenden.
Hier geht es mit Teil 1 los!

Uns abwechselnd rudern wir zwischen den Inseln hindurch. Das Wasser wird von dem gleichmäßigen Wind nur wenig bewegt, die Sonne strahlt von einem Himmel, an dem nur einige Schönwetterwolken segeln. Auf der Rückseite einer Insel finden wir eine kleine Bucht. Wir ziehen das Boot ans Ufer und legen uns in den warmen Sand. Rechts und links stehen Weiden, dann zieht sich Schilf bis ins Wasser hinein und lässt nur einen schmalen Blick frei. Das Licht glitzert auf den kleinen Wellen, die auf den Sand rollen, weit weg sieht man das andere Ufer. Ismael liegt neben mir auf der Seite. Ich schaue ihn glücklich an. Er strahlt über das ganze Gesicht, während er mich anlächelt.

~*~
Kreischende Möwen und schreiende Kinder unterbrachen die Ruhe am Strand. Rick betrachtete das Wasser und die kleinen Wellen, die sich darauf bogen. Es war heiß. Nur eine leichte Brise kitzelte ihn an den nackten Armen. Mühsam erkämpfte er sich den Weg durch den Sand und versackte mit den Stiefeln darin.
Sam saß am Ufer. Die Sonne schien ungnädig und ließ ihn blinzeln.
Ihr Strandhaus stand nicht weit entfernt. Seit Anfang der Woche beherrschte ein Hochdruckgebiet ihre Region. Der Sommer begann und das registrierten auch die anderen Bewohner von Asbury Isle. Immer mehr Menschen besuchten den Badestrand; sie legten die Handtücher ab und genossen eine Abkühlung im Meer.

„Was tust du denn hier?“, fragte Sam überrascht. „Nichts los am ersten Arbeitstag, Deputy?“
Rick lächelte. Er kniff die Augen geblendet zusammen und rieb sich verlegen das Kinn, an dem ein Dreitagebart spross.
„Kleine Mittagspause.“ Er ging in die Knie, streichelte Sam über den Rücken und vermied den Kontakt mit dem sandigen Boden.
„Sind sie nett, die Kollegen?“, hakte Sam nach. Er setzte sich auf und rieb den Sand von den Handflächen. Rick deutete ein Nicken an.
„Hast du es ihnen erzählt?“
„Wäre nicht sinnvoll, es zu verheimlichen, oder?
„Was hast du gesagt?“ Sam zog die Beine an. Er strahlte Nervosität aus. Typisch für ihn.
Rick zuckte mit den Schultern. „Ich habe keine große Nummer daraus gemacht. Sie fragten, ob ich Kinder habe und verheiratet bin. Ich habe ihnen gesagt, dass ich ein Haus auf der Insel zusammen mit meinem Partner bewohne.“
Sam schluckte bewegt. „Gut.“

(Justin C. Skylark)




~*~
Zwischen sagenhafter Erleichterung und heißer Enttäuschung darüber, dass Kathrin und Levin nicht aufgetaucht sind, liege ich inmitten meiner Freunde. Die Hitze steht in der Luft, weicht nicht mit der hereinbrechenden Dunkelheit. Es ist heißer als all die Wochen zuvor. Ein Witz, dass am Montag die Schule wieder losgeht. Wie sollen wir uns auf den Schulstoff konzentrieren? Pauken, büffeln, Klausuren hinter uns bringen. Die Ausgelassenheit hat bei uns allen nachgelassen. Wir sind im Laufe der Ferien ruhiger geworden. In uns gekehrter. Je­der von uns hängt seinen Gedanken nach. Ich denke an Kylian … und Levin …
Noch ein Jahr Schüler sein. Ich möchte eigentlich nicht studieren. Möchte lieber die Welt entdecken. Das war ein Traum von mir und Kylian. Aber allei­ne …?
»Jan!« Ein Schwall Wasser landet auf mir. Keine Sekunde später klatscht ein tropfnasses Handtuch auf meinen Bauch und ich krümme mich vor Schreck. Fluche und lache gleichzeitig los. Pius grinst mich mit schräg gelegtem Kopf an. »Schon gepennt? Auf, in die Fluten.«
Erst jetzt bemerke ich, dass einige Jungs in den See gesprungen sind, auf dessen Oberfläche sich be­reits die Mondsichel spiegelt. Auf dem Floß, in der Mitte des abgesteckten Badebereichs, leuchtet eine Taschenlampe. Die sind ja verrückt. Wie haben die die Lampe dahin bekommen? Die Mädels ki­chern und tuscheln, stecken die Köpfe zusammen. Nicht eine hat den Mut, in undurchsichtiges, tief­schwarzes Gewässer zu springen.
Mit einem Satz bin ich auf den Beinen und hech­te hinter meinen Freunden her. Über den Steg, mit einem Kopfsprung ins Wasser. Ich werde den Sommer vermissen. Leichtigkeit umspült mich. Nie­mand weiß, wie oft ich in den letzten Wochen allei­ne hierhergekommen bin. Lachend feuern die Jungs mich und Pius an. Mit ausdauernden Kraulschlägen bin ich wenig später an der schwimmenden Insel angelangt.

aus "Sommer am See" von Elisa Schwarz


~*~
Beinahe jede freie Minute verbrachten Shiro und ich am Strand und im Wasser. Es war perfekt. Einfach schon deshalb, weil wir mit den Strandausflügen alles verbinden konnten, was uns gefiel. Wir bewegten uns, wir hatten immer zu lesen dabei, manchmal auch Musik und in jedem Fall was zu essen. Ab und zu warfen wir Frisbee oder wir hingen einfach nur rum. Es war eine gute Zeit.
An diesem Dienstag also schwamm ich wie üblich weiter raus und zog meine Kreise. Shiro lag am Strand und las. Unser Lager erkannte ich am roten Sonnenschirm.
Dann, irgendwann, erhob er sich und kam mit trägen Schritten ins Wasser.


Paddelte er früher eigentlich immer nur in Ufernähe herum, so schwamm er jetzt mit Vorliebe weit raus und tauchte dann nach Fischschwärmen, die in der Tiefe zu finden waren. Es war mit Shiro immer so, als hielte man nach einem Delphin Ausschau, der nur zum Luftholen an die Wasseroberfläche kam. Also wanderte mein Blick auch an diesem Tag über das Meer, um ihn zu suchen.
Aber die Oberfläche blieb glatt.
Ich wusste, dass er sich genau links von mir weiter in der Tiefe befinden musste, etwa 20 Schwimmstöße entfernt, aber da war nichts.
Doch noch bevor ich begann, mir Sorgen zu machen, schoss er direkt vor mir aus dem Wasser, holte tief Luft und strahlte mich an.
"...Die ganze... Strecke... in einem... durch...", sagte er atemlos und zeigte in die Richtung, wo ich ihn auch vermutet hatte. Er hielt sich an meiner Schulter fest, was ich durch Gegenpaddeln ausglich. Sein Atem ging schnell und sein Haar hing wie immer in dichten, nassen Strähnen vor seinen Augen.
Ich weiß nicht, warum ich es tat, vermutlich wohl einfach, um sein Gesicht sehen zu können und weil er so ausgepowert war, aber ich strich sie ihm nach hinten, so wie er es sonst immer tat und sah ihn an.
Und er sah mich an.
Und auch er strich mein Haar aus meiner Stirn, ganz sanft.
Dann lächelte er irgendwie überrascht, und noch ehe ich begriff, zog er mich zu sich heran und küsste mich.
Es gibt viele Möglichkeiten, wie man reagieren kann, in einer solchen Situation.
Ich stieß ihn einfach weg von mir.
Er zögerte einen Moment, verwirrt, drehte sich erschrocken nach allen Seiten um, so, als ob er etwas suchte - und dann - dann sah ich es. Ich sah in Shiros Augen etwas zerbrechen.
Mit schnellen Schwimmstößen entfernte er sich von mir, immer weiter, Hauptsache einfach nur weg.

(Jobst Mahrenholz)


~*~
Wir gingen durch den Urwald hinunter zum Strand, es war ein heißer Tag gewesen, wie so viele hier, der sich nun jedoch dem Ende zuneigte. Die Sonne stand bereits tief über dem Meer und die Luft hatte eine angenehme Wärme angenommen. Freitag führte mich zur Mündung des Flusses, dorthin, wo ich vor so vielen Jahren das erste Mal den Fuß auf diese Insel gesetzt hatte.
Er legte das Bündel ab, welches er mitgebracht hatte und entledigte sich umgehend seines Lenden-schurzes. Dann stieg er ins Wasser und seufzte dabei zufrieden. Ich wandte mich ab, weniger wegen seiner Nacktheit, sah ich ihn doch alle Tage spärlich bekleidet, so wegen des offensichtlichen Vergnügens, das er empfand und das mir fast unzüchtig erschien.
Freitag rief mir jedoch etwas zu und ich schaute auf. Er schwamm einige Züge bis zu einer Sandbank, dort erhob er sich, schüttelte seine nassen Haarsträhnen, lachte und winkte mir zu.
»Komm, Robinson«, rief er, dann sprang er ins Wasser und schwamm auf mich, der ich mich nicht rührte, zu. Obwohl wir aller Wahrscheinlichkeit nach auf dieser Insel allein waren, so scheute ich mich doch, mich auszuziehen. Auch hatte mich Freitag noch nicht unbekleidet gesehen.
Er stieg jetzt langsam aus dem Wasser, das in Rinnsalen über seinen Körper lief. Die Sonne würde bald untergehen und ließ die kleine Lagune, an welcher wir uns befanden, erstrahlen.


 

Mittwoch, 21. Juni 2017

Rezension zu Eine Ahnung von Pan

Was für ein Buch! Schon lange habe ich mich, vom Autor mit Leseproben versorgt, darauf gefreut. Und wurde nicht enttäuscht. Nur leider habe ich es schneller gelesen, als ich wollte. Was nicht nur daran lag, dass es zum Ende hin spannend wurde. Es hat mich einfach in seine Welt hineingezogen.

Der Halbdäne/-italiener Ingar reist in die Toskana um nach seinen Wurzeln zu suchen und einen Roman zu schreiben. Ersteres verfolgt er kaum motiviert, während das Schreiben gut läuft. Er wohnt bei der alten, selbstbewussten und etwas herben Maria Carrisi. Ihr Enkel Zino lebt auf dem Anwesen in einer Hütte bei den Ziegen. Den anfangs sehr verschlossenen jungen Mann, der ein einfaches Leben führt, umgibt ein Geheimnis und ein Zauber. Letzterer verwendet einiges für den etwas gefühlsreduzierten Ingar.
Das Buch des Journalisten Ingar verändert sich, während er schreibt und sich mit Zino austauscht, ebenso, wie dieser Roman das Leben der Figuren verändert. Eine gelungene und reizvolle Verbindung verschiedener Erzählebenen!

Jobst Mahrenholz hat seinen Stil noch mehr intensiviert. Er erzählt reduziert, Szenen sind kurz, Erklärungen gibt es nicht, Entwicklungen haben Leerstellen. Gerade was die Entwicklung der Beziehung zwischen Ingar und Zino angeht, kann man das als Schwäche ansehen, es könnte aber auch die Stärke des Buches sein. Es gibt Raum für eigene Fantasie.
Mit Zino ist dem Autor eine Figur gelungen, deren besonderem Charisma man sich nicht entziehen kann. Das Umfeld ist recht archaisch gezeichnet, was dem Schauplatz Reiz gibt und der Geschichte etwas zeitloses.

Der Autor hält das Buch, soviel kann ich wohl verraten, für sein vielleicht bestes, und ich bin geneigt, ihm zuzustimmen, auch wenn ich es auf eine Stufe mit Der linke Fuß des Gondoliere stellen möchte.


Dead soft Verlag 2017
eBook 4,99 €
Taschenbuch 210 Seiten, 10,95 € (ab 26. Juni)

Donnerstag, 6. August 2015

Autoreninterview "Zusammen finden" Teil 1

Ein Interview mit allen AutorInnen der Anthologie "Zusammen finden" - hier die erste Hälfte. Näheres zum Buch steht im Post darunter.
 
Susann Julieva und Bianca Nias - Der Werwolf von nebenan
Susann, wie kam es zur Zusammenarbeit mit Bianca? Wie war es für Dich, in ein neues Genre hineinzuschauen?
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Bianca? --- Ganz spontan und unkompliziert! Ich finde Biancas Romane klasse, also hab ich sie einfach mal gefragt, ob sie Lust hätte, sich für die Anthologie mit mir zusammenzutun - und sie war zu meiner großen Freude sofort dabei! Wir haben uns über eine Grundidee ausgetauscht, dann hat jeder einen kurzen Steckbrief seiner Figur erstellt, und danach haben wir einfach losgeschrieben, so richtig ins Blaue rein. Immer abwechselnd haben wir uns die Spielbälle zugeworfen und die andere durfte die Szene weiterspinnen. Das hat unglaublich viel Spaß gemacht. Beim Schreiben haben wir dann gemerkt, dass das Ganze zu lang wird für eine Kurzgeschichte. Also mussten wir für die Antho irgendwo unterbrechen. Wir schreiben aber weiter, denn es gibt noch viel zu erzählen. Ich freu mich riesig, dass deine Idee das ermöglicht hat und wir durch unsere Zusammenarbeit eine liebe Kollegin unterstützen können!
Wie war es für Dich, in ein neues Genre hineinzuschauen? --- Wunderbar! Im Grunde weiß ich gar nicht, weshalb ich bislang noch kein Urban Fantasy geschrieben hatte, da es eins meiner absoluten Lieblingsgenres ist. Im Kopf einer Figur herumzuspazieren, die eine unbezähmte Wolfsseite hat und über magische Fähigkeiten verfügt, ist eine tolle Erfahrung. Noah kam wie von selbst zu mir, ohne dass ich ihn mir hätte mühsam ausdenken müssen. Und Biancas bezaubernder Oliver und er sind perfekt füreinander. Mal sehen, was aus den beiden noch wird...

Bianca, wie war die Zusammenarbeit mit einer anderen Autorin für Dich? Hast Du das zum ersten Mal gemacht?
Zuallererst - ich war richtig geplättet, als Susann mich fragte, ob wir beide etwas zusammen schreiben wollen. So eine erfahrene und klasse Autorin, deren Stil ich über ihre Bücher kenne und liebe, möchte ausgerechnet mich als Co-Autorin? Natürlich habe ich voller Stolz zugesagt. Nein, es war nicht meine erste Zusammenarbeit und ich denke, es wird auch nicht die Letzte gewesen sein. Mit einer anderen lieben Kollegin arbeite ich an einem tollen und vielversprechenden Projekt, das aus bestimmten Gründen aber zwischendurch nochmal auf Eis gelegt worden ist. Gemeinsam die Ideen zu erarbeiten und sich gegenseitig die "Bälle zuzuwerfen", macht unglaublich viel Spaß. Das ist eben etwas ganz anderes, als für sich allein im stillen Kämmerchen zu sitzen, da man sich permanent austauscht, motiviert und berät.


Jobst Mahrenholz - Charlys Chips
Du hast zum ersten Mal eine Geschichte in England angesiedelt. Wie fühlte sich das an? Warst Du schon einmal in dem Land?
England, vor allem aber Schottland kenne ich recht gut. Ich liebe die englische Mentalität, den Humor dort, bin ein gnadenloser Fan von Schirm Charme und Melone und Harris Tweed und ich schätze das Frühstück dort.
Ich habe die Geschichte in Birmingham angesiedelt, da ich zeitgleich an einem Buch arbeite, dass zwischen Venedig und Padua spielt. Hätte ich Charlys Chip in Italien angesiedelt, wäre ich durcheinander gekommen. So war es kein Problem. Befand mich vom ersten Absatz an, in Erdington/GB


Justin C. Skylark - Dylan und Thor - on the road - ein Zwischenspiel
Wo ist diese Geschichte zeitlich angesiedelt in Bezug auf die Romane? Wird es noch weitere Bücher mit Dylan und Thor geben?
Die Dylan und Thor Reihe umfasst 4 Romane. Die Kurzgeschichte "Dylan & Thor - on The Road- ein Zwischenspiel" bezieht sich primär auf den letzten Band "Flyktet". Kann also als eine Art Fortsetzungsgeschichte angesehen werden. Zu Frage zwei: Oft werde ich nach einem weiteren Band gefragt, derzeit ist bei Teil 4 Schluss. Ich schließe einen fünften Band nicht aus, vielleicht wird es auch hier und da erstmal weitere Kurzgeschichten geben. Aber da gibt es noch keinen konkreten Plan. 


Tanja Meurer – Hunger
Für diese Geschichte hast Du intensiv recherchiert. Was war dabei besonders schwierig herauszufinden oder besonders interessant?
Was besonders schwierig herauszufinden war? Sehr einfach: wo das 1. Polizeirevier in Mainz im Winter 1916 gewesen war. Heute ist es in der Weißliliengasse und die Kriminaldirektion befindet sich in der Alice-Kaserne am Valenciaplatz. Allerdings war es das 1916 noch nicht. Da wurde die Kaserne noch als Kaserne genutzt. An dem Brocken habe ich mir die Zähne ausgebissen und konnte leider nicht mal meine Stiefmutter (Ur-Mainzerin) fragen, weil sie gerade im Urlaub war. Dieser Part ist leider sehr schwammig ausgefallen. Alles andere bereitete mir weniger Probleme. Ich bin Bauzeicherin aus dem Hochbau und habe in Mainz gelernt - besonders die Altbausanierung. Damit bin ich zumeist auf der sicheren Seite - nur in diesem Fall nicht. Mein Fundus an Büchern über die Geschichte und den Verlauf des ersten Weltkriegs, Mainz als Stadt, das Leben in den Kriegen, Kleidung, etc. haben mir darin leider auch nicht geholfen. Was besonders interessant war - das Hintergrundwissen zum Thema "Steckrübenwinter" - den Hungerwinter 1916. In diesem Winter ging die Schlacht bei Verdun zu Ende (19.12.1916). Es war die (bekanntlich) schrecklichste Schlacht (nur die Schlacht an der Somme forderte einen ähnlichen Tribut). Auf französischer Seite gab es ca. 377.000 Mann Verluste und auf deutscher Seite 337.000. Sie begann am 21. Februar 1916 und endete am 19. Dezember, ohne dass sich die Grenzen nennenswert verschoben gehabt hätten. Ich habe schon vor Monaten mehrere Berichte und Bücher dazu gelesen. Innerhalb einer einzigen Stunde wurden über 1.000 Schuss aus Mörsern abgegeben. Gruselige Vorstellung, oder? Und genau diese Schlacht hat Heinrichs Gegner hinter sich. Er lebt und liebt die Gewalt ... Hoffentlich kommt der "Landser" auch so rüber. Aber die Recherche hierzu hat mir viele neue Punkte aufgewiesen. Nicht nur der zweite Weltkrieg war die Hölle, der erste stand dem in nicht sonderlich vielen Punkten nach.
 

Rosha Reads - Sehnsucht ist ein subtiles Gefängnis
Worin unterscheidet sich dieser Text von Deinen bisherigen Arbeiten?
Zum einen ist es die erste Geschichte, die ich unter meinem Pseudonym veröffentlicht habe. Quasi mein Einstand mit einem schwulen Text.
Zum anderen habe ich in Vorbereitung auf die Kurzgeschichte mit der Erzählperspektive experimentiert und mich letztendlich für die Ich-Perspektive in Verknüpfung mit der zweiten Person Singular entschieden. Das Besondere hierbei ist, dass der Protagonist sich nicht an den Leser wendet (wie das bei der Verknüpfung mit der dritten Person Singular empfunden wird), sondern sich in Gedanken mit seinem Freund, der zweiten Figur der Geschichte unterhält. Das erzeugt eine besondere Intimität und auch Intensität, man ist als Leser ganz nah bei der erzählenden Figur. Man befindet sich im Kopf des Protagonisten. Was wiederum zu der Gratwanderung führte, nicht in Rührseligkeit abzudriften und einem an sich schweigsamen Menschen seine Gedanken abzuringen. Da man als Autor die Textwirkung nie exakt vorherbestimmen kann, bin ich nun sehr gespannt, inwieweit es mir hier gelungen ist, den Leser das fühlen zu lassen, was ich mit der Erzählung ausdrücken wollte.


Schännieh Dunkelstrauch - Zwischen Sojafleisch und Pinot noir
Wie viel von Dir steckt in dieser Geschichte?
Ich denke, in jeder Geschichte steckt immer irgendetwas vom Autor. Das lässt sich wohl nie ganz abstellen und das ist auch gut so. Manchmal spielen Geschichten in für den Autor vertrauten Städten, manchmal behandeln sie eigene Ängste oder in ähnlicher Form selbst erlebte Situation. Je nach Geschichte wechselt das bei mir zwischen subtil und deutlich herauslesbar. Im Fall von 'zwischen Sojafleisch und Pinot noir' sind es die Protagonisten, die beide viele Eigenschaften von mir selbst widerspiegeln. Jeder hat diese Momente, in denen er unfähig ist zu sprechen, zu schüchtern ist, sich nicht traut und Zweifel hat - wie Florian. Doch dann gibt es auch noch diese anderen, in denen man etwas anpacken will, etwas unbedingt haben möchte. Und dann wagt man es einfach - wie Finn.

Danke an alle für die interessanten Antworten zu unserer - wie man sieht - abwechslungsreichen Anthologie!

 

Sonntag, 17. Mai 2015

"Der linke Fuß des Gondoliere" von Jobst Mahrenholz

»Der linke Fuß des Gondoliere« ist der dritte Roman des Autors. Wieder spielt er in Italien, diesmal jedoch, wie der Titel schon andeutet, in Venedig.
Die Geschichte dreht sich um drei Freunde seit Jugendtagen. Den eher durchschnittlichen, liebenswerten Sohn eines Gondelbauers Cece, den aus ärmlichen und schwierigen Verhältnissen stammenden, aber genügsamen und heiterem Pirro und den aus reichen Haus kommenden, aber unglücklichen Leo. Trotz der Unterschiede verbindet die drei eine enge Freundschaft, bis zwischen Cece und Pirro mehr entsteht.

Die Geschichte ist realistisch, etwas poetisch aber auch sehr bodenständig. Es ist leicht, die drei unterschiedlichen jungen Männer ins Herz zu schließen. Eine sehr zärtliche, stille, bittersüße, warme Geschichte.

Jobst Mahrenholz erzählt nicht linear, es gibt Sprünge in den Zeitebenen, die nur durch die Jahreszahl, aber nicht durch Erklärungen gekennzeichnet werden. Ebenso sind die Szenen oft recht kurz, werden wenig ein- und übergeleitet. Das alles könnte wirr, unstrukuriert und anstrengend sein, verwebt sich jedoch zu einer Geschichte, der man jederzeit mühelos folgen kann. Die Struktur verbindet sich zu einem eigenen Rhythmus des Erzählens, der leichtfüßig wirkt. Meinen Respekt für diese Leistung!


Meine Ausgabe enthält eine Widmung des Autors, die ich nur schwer entziffern kann ›Deine Geschichten haben mich so viele schöne Stunden begleitet, es würde mich freuen, wenn diese es auch schaffen würde‹ – nun, mühelos, kann ich sagen – Danke dafür.

Der bisher ausgereifteste Roman eines Autors, von dem wir hoffentlich noch viel lesen dürfen.

Mehr über den Autor im Interview

Roman, Dead soft Verlag 2015
Taschenbuch, 264 Seiten, 12,95 €
eBook 5,99 €

Sonntag, 12. April 2015

Blog-Geburtstag

Dass mein Blog schon längst seinen ersten Geburtstag hatte, habe ich völlig verpennt. Nun also ein paar Worte zum 1,5-jährigen. Happy birthday!

Als ich mit dem Blog im Oktober 2013 begann, wollte ich einerseits kleine Reiseberichte und Fotos aus Italien einstellen, und andererseits Hintergrundberichte und Infos zum Schreiben. Außerdem wollte ich gerne andere Autorinnen und Autoren interviewen.
Nun, wie man sieht liegt Teil eins mehr als brach, aber die Beiträge rund ums Schreiben haben sich gut entwickelt. 
Der erste Text, den ich einstellte war am 13.10.2013 der Reisebericht Italien über eine Wanderung auf Capri.

Hier ein paar Zahlen
4278 Seitenaufrufe - keine Ahnung, ob das viel oder wenig ist
32 Posts
1 Follower - äh ja, nicht so gut
Die meisten Zugriffe erfolgen von Facebook, Lovelybooks, meiner Autorenhomepage und Raikthorstadt.blogspot (Herzlichen Dank!)


Beliebteste Posts
1* Debüt und Abschied (10/14) mit 211 Aufrufen - ein eher trauriger Spitzenplatz
2* dicht gefolgt vom Interview mit Jobst Mahrenholz! (06/14) mit 175
3* Interview mit Dennis Stephan (01/15) - 164 - ein würdiger dritter Platz
4* es folgt die Rezension zu Großstadtgefühle (10/14) mit 145, und danach mit etwas Abstand das Interview mit dem Autor Jannis Plastargias

Weitere Autoreninterviews erschienen mit Susann Julieva und Paul Senftenberg.
Meine persönlichen Lieblingsposts sind neben den Interviews Berichte von Lesungen und natürlich Buchankündigungen sowie der Beitrag "Bücher die beeinflussen".

Ausblick: Gern will ich weitere Autoren interviewen, mir schweben da 2-3 vor, die ich aber nicht persönlich kenne. Und dann sollte ich mich wohl mal damit befassen, wie man Follower gewinnt. Denn so richtig Ahnung von der technischen Seite des Bloggens habe ich immer noch nicht.




Montag, 9. Juni 2014

Autoreninterview mit Jobst Mahrenholz

Hier das zweite Autoreninterview mit meinem lieben Verlagskollegen und italophilen Gleichgesinnten.

Jobst Mahrenholz hat unter anderem als Friedhofsgärtner, Putzhilfe, Café- und Hochzeitskellner, Postbote, Barkeeper, vor allem aber als freier Künstler gearbeitet. Das Studium mit den Schwerpunkten Literatur und Kunst prägte seine Liebe zur Bildenden Kunst und zur Sprache in Schrift und Wort. Schon während einer achtjährigen Tätigkeit als leitender Rundfunkredakteur arbeitete er nebenher als freier Autor im Hörspielbereich. Seit 2009 widmet er sich ausschließlich dem Schreiben von Büchern. 2014 erschienen von ihm im Dead soft Verlag Il Gusto di Lauro - Lucas Rezepte, sowie Herzberührer, die er zuvor schon im Selbstverlag veröffentlichte. Daneben eröffnete er mit Jasper Acri - Operation "Stilles Tal" eine Krimireihe.


Wie lange schreibst Du schon und warum hast Du damit angefangen?

Ich schreibe seit meinem 13. Lebensjahr und ich glaube, in dem Alter fragt man nicht nach dem Grund – man tut es einfach. Ich war ein Einzelgänger – hatte viel Zeit für mich. Vielleicht darum.

Wie lange hast Du an Deinen Romanen geschrieben und wie oft hast Du sie überarbeitet?

Oje, ich bin langsam. An 'Luca' habe ich ein knappes Jahr geschrieben. Aber vor allem die unzähligen
Überarbeitungen waren es, die dann insgesamt über zwei daraus gemacht haben. Viel zu lang! Da gab es einiges für mich zu lernen. Beim 'Herzberührer' habe ich meinen Arbeitsstil dann komplett umgebaut, die Korrektur in den Schreibprozess eingebunden. Das hat sich bewährt und die Arbeitszeit deutlich verkürzt.

Was möchtest Du mit deinen Geschichten erreichen?

Das, was auch ich von einem guten Buch erwarte: Ich möchte entführt, zum Nachdenken angeregt oder einfach gut unterhalten werden. Wenn meine Bücher das schaffen, ist das Ziel erreicht.
Es gibt Leserinnen, (Es sind überwiegend Frauen, die meine Geschichten lesen) die mir schreiben, dass sie berührt sind, von dem, was ich da geschrieben habe. Es hat sich aber auch mal ein Italiener bei mir gemeldet, der sich in meinem 'Luca' wiedergefunden hat. Es ist unglaublich schön, das mitzubekommen.

Die beiden Lauro-Romane sind sehr umfangreich und erzählen eher ausschweifend und detailfreudig. „Jasper Acri“ hat einen gänzlich anderen Stil. Wie kommt es zu diesen Unterschieden und welcher Stil ist Dein Favorit?

Die Lauro-Romane (super Beschreibung übrigens!) sind Bücher, die ich schreiben musste. Jasper wollte ich schreiben. So erkläre ich das immer.
Im 'Luca' geht es um relevante Dinge. Ein Coming-out in Italien zum Beispiel, keine einfache Sache. Es geht um die Haltung zur Kirche, ums Verlassen sein, erwachsen werden. Ängste, Mut, Selbstfindung – das ganze Paket.
Im Jasper geht es um – nichts!
Was so natürlich nicht stimmt. Es geht um Sprache, Leidenschaft, ein großes Herz und das Recht selbstverliebt durchs Leben zu gehen. Und es geht um Emma Peel, denn Jasper ist als Hommage an meine Kindheits-Heldin gedacht. Aber Jasper ist im Gegensatz zu Luca eine Parodie.
Die Lauro-Romane sind ein Fünf-Gänge-Menue. Jasper ist die Praline für zwischendurch. So wird es vielleicht deutlich. Ich liebe sie beide gleichermaßen, auf ihre Weise.

Deine Romane spielen alle in Italien. Was verbindet Dich mit diesem Land?

Wo fange ich da an? Mit sechzehn war ich das erste Mal dort. In der Toscana. Danach war alles anders für mich. Tatsächlich habe ich mich in Deutschland noch nie so heimisch gefühlt, wie dort. Die Architektur, die Sprache, (die ich nicht beherrsche), das Klima, der Lebensrhythmus, die Gerüche und nicht zuletzt die Küche, all das 'verstehe' ich dort. Es hat was mit mir zu tun. Hier verstehe ich es nicht. Ich stehe vor einem Gebäude, sitze vor einem gefüllten Teller, spanne meinen Regenschirm auf und all das ist mir vertraut – aber ich verstehe es nicht wirklich.
Meine Adoptiv-Mutter war zu einem viertel Italienerin – vielleicht spielt das mit hinein. Aber ich glaube eher nicht. Sie war selbst nur zweimal da.

Was sollte man sich in Italien nicht entgehen lassen – irgendwelche Geheimtipps?

Die Marken! Es gibt eine kleine, alte Wassermühle in den Marken, nahe Fano, wo man von einer Familie ökologisch bekocht wird. Du sitzt da zwischen gefühlt hundert Katzen, und sie servieren dir dort sechs bis sieben Gänge. Auswählen kannst du nicht. Jeder bekommt das selbe, zur gleichen Zeit. Wein und Wasser stehen automatisch auf dem Tisch. Und wenn es auf einmal anfangen sollte zu regnen, dann sitzt du bei denen im Wohnzimmer, zwischen Büchern und Bildern und es geht weiter. Die machen dich glücklich da! Derlei Restaurants gibt es einige dort. Danach sollte man sich vor Ort erkundigen.
Und Urbino sollte man gesehen haben. Wer die Kunst der Renaissance liebt, muss nach Urbino - La Città Ideale!

Was bedeutet der Wechsel vom Selbstverleger hin zu einem Verlag für Dich?

Ich hatte großes Glück, dass der Dead soft Verlag auf mich zugekommen ist. Hinter mir lag die übliche Odyssee von Manuskripteinreichung und den darauf folgenden Absagen – wenn überhaupt. Mach es halt selbst, hab ich mir schließlich trotzig gesagt und es dann getan.
Als Simon vom Dead soft Verlag auf mich zu kam, war ich zunächst misstrauisch. Dafür war einfach zu viel passiert. Aber ich habe 'ja' gesagt.
Nun erlebe ich auf einmal – Zusammenarbeit! Das ist ganz groß. Damit hatte ich auch nicht gerechnet.
Ich bin nicht so der Einzelkämpfer-Typ. Im Team funktioniere ich gut, aber Selbstvermarktung und die dazugehörige Organisation liegen mir nicht. Der Wechsel zu Dead soft hat enorme Energien bei mir freigesetzt. Ich kann jetzt einfach arbeiten!


Erzähle doch etwas zur Covergestaltung Deiner Romane.

Im Selfpublishing machst du ja alles selbst, also auch das Cover. Da die 'Lauro-Reihe' zu Beginn nur als Ebook bei epubli erschien, habe ich markante schwarz/weiß Grafiken angefertigt, die auch auf Fingernagelgröße gut auszumachen sind. Ich komme auch ein wenig aus der Grafik, muss man dazu wissen. Als ich dann mein erstes, professionell gestaltetes Cover durch den Verlag vor mir sah, musste ich schlucken. Das war genau das, was ich wollte.
Jasper hingegen habe ich komplett selbst gestaltet. Ich bin nach wie vor künstlerisch aktiv – im Bereich Scherenschnitt. So was gibt es da zu sehen. Ich liebe das Uhren-Cover. Klar, es ist wie eine Visitenkarte für mich. Und es transportiert den Humor, der einen beim Lesen erwartet, hoffe ich zumindest.

(Die Lauro-Cover wurden von Daylinart gestaltet)

Ist das Schreiben für Dich Hobby, Beruf oder Berufung?

Es ist mein Beruf! Ich stehe morgens um neun Uhr auf und setze mich mit einem Caffè an die Arbeit. Gegen ein Uhr esse ich etwas und gegen 18 Uhr Speicher ich das letzte mal ab. Das heißt aber nicht, dass ich die ganze Zeit schreibe. Ein ganz großer Teil geht bei mir für Recherche drauf. Wenn 'Luca' im Hochsommer gegen halb sechs durch die Dämmerung geweckt wird, dann ist das so! Dann geht an dem Tag um diese Zeit die Sonne auf. 10 Jahre Nachrichtenredakteur beim Rundfunk haben so ihre Nebenwirkungen :)

Im Juni erscheint ein Neuauflage Deines Romans „Herzberührer“. Was dürfen wir dann noch in nächster Zeit von dir erwarten?

Gerade habe ich einen 50 Seiten starken Beitrag zu einer Anthlogie ins Lektorat geschickt. Dead soft plant zum 15 Jährigen Verlagsjubiläum ein Buch rauszubringen, dessen Verkaufserlös einem Coming-out-Projekt zugute kommen soll. Ein tolle Sache!
Und mit Jasper geht es weiter. 'Das Geheimnis der MS Scarpa' ist zu einem Drittel geschrieben und kommt im Sommer bei Tredition auf den Markt. Sieben Bände sind insgesamt in Planung. Dann bin ich in Italien und werde mich dort einem neuen Projekt stellen. Vage Ideen existieren schon. Italien besorgt dann den Rest.



www.jobstmahrenholz.de