Schreib doch was für die Erotikanthologie bei Incubus, sagte Björn (*Name von der Redaktion geändert) vor einem Jahr, sollte dir doch nicht schwer fallen, sagte Björn.
Was, sagte ich, nein, ich doch nicht! Explizite schwule Erotik als eigene Geschichte? Habe ich noch nie. Klar, in meinen Romanen gibt es Erotikszenen, schöne Erotikszenen, finde ich. Poetisch in Benjamins Gärten und Phillips Bilder, realistisch und nicht verklemmt in Im Zimmer wird es still, und nach den Worten einiger Rezensenten doch schon in Pornohäufigkeit in Nur eine Frage der Liebe. Aber diese Szenen sind in die Romane eingebaut und (entgegen anderslautender Gerüchte) nicht wirklich explizit. Ja, ich bin Dauergast in den erotischen Jahrbüchern Mein heimliches/lesbisches/schwules Auge, aber - unter uns - explizit ist fast keiner meiner Beiträge.
Nun blieb der Björn aber hartnäckig und bei mir nistete sich eine Idee ein - Tentakel sind in Ordnung, stand in der Ausschreibung ...
Aber es ist doch schön, wenn man sich ein bisschen zieren kann. Und einen Schuldigen hat, nicht wahr, Björn. Zu meiner Überraschung schrieb mich dann noch der Herausgeber Ulrich Hawighorst direkt an und bat mich um einen Beitrag - da hat mich ja aber der Björn schon bearbeitet.
Seit zwei Wochen halte ich die fertige Anthologie nun in der Hand. Und bin
stolz, bei diesem wirklich gelungenen Projekt dabei zu sein. Der Herr Björn ist auch dabei. Und noch ein paar andere illustre Autor_innen, darunter Florian Höltgen, Dennis Stephan, Cecil Dewi, Devin Sumarno, Nino Delia, Levi Frost, Raik Thorstad und Romy Wolf.
Mit Der Traum des Fischers habe ich mich wirklich an die Tentakel gewagt, die Geschichte ist von dem bekannten japanischen Holzschnitt Der Traum der Fischersfrau inspiriert. In Fünf-Gänge-Menü gibt es dagegen ein Wiedersehen mit Christoph & Phillip. Es ist die unspektakuläre Geschichte eines Paares, das für ein verlängertes Wochenende in den Harz fährt und - das Wetter ist schlecht.
In seiner Hand, Incubus-Verlag 2015
Sonntag, 27. September 2015
Freitag, 18. September 2015
Rezension zu "Hände" von Paul Senftenberg
Mit »Hände« veröffentlicht der
österreichische Autor Paul Senftenberg seinen fünften Roman (so man
die Novelle »Der Stammbaum« mitzählt).
Im Zentrum steht Paul Kilian, der aus
lieblosen, kalten Familienverhältnissen stammt und (möglicherweise
nachdem sein Vater eine Hand verloren hat) eine eigenartige Obsession
für Hände und Handprothesen entwickelt. Er trifft auf Manuel, der
aus ähnlichen Verhältnissen stammt und durch die Unachtsamkeit
seiner Mutter eine Hand verloren hat. In ihm findet Paul das erste
Mal ein Objekt für seine Obsession und so behandelt er den Jüngeren
auch. Erst mit über 30 trifft Paul auf einen Mann, der ihn trotz
seiner gesunden Hände fasziniert und auf den er bereit ist, sich
einzulassen.
Anders als in Paul Senftenbergs bisherigen
Werken steht hier ein recht großes Figurenensemble im Mittelpunkt
und auch die Perspektive wendet sich vielen Figuren zu. Die
Geschichte wird in keiner Weise chronologisch erzählt, die Sprünge
sind riesig, und doch ist man immer in der Handlung orientiert.
Einzig, dass man von Manuel, dessen Geschichte am Anfang viel Raum
einnimmt, kaum noch etwas erfährt, seine Geschichte somit keinen
Abschluss hat (man hätte ihm auch etwas Glück gewünscht), finde
ich bedauerlich.
Wie in der Verlagsbeschreibung
angegeben, gibt es einige Szenen, die verstören können. Die
Motivation der Figuren ist aber auch in diesen Szenen immer
nachvollziehbar und diese gleiten nicht ins extreme oder reißerische
ab. Trotz der fetischartigen Obsession der Hauptfigur, der extremen
Kälte der Familien und einiger drastischer Szenen und Entwicklungen,
bleibt die Geschichte doch stets in der Realität verwurzelt.
Ein ambitionierter Roman, der sich
flüssig lesen lässt, jedoch nichts zum schnellen Weglesen ist. Wie
immer überzeugt der Autor durch seinen klaren, ausgereiften Stil,
der nicht mit einem Wort aus der Rolle fällt. Für mich ist Paul
Senftenberg der derzeit beste deutschsprachige Autor schwuler Literatur und das hat er
auch mit diesem Werk wieder bewiesen.
Roman 248 Seiten, Homo littera Verlag 2015
eBook 5,49 €
Taschenbuch 12,90 €
Mittwoch, 12. August 2015
Autoreninterview "Zusammen finden" - Teil 2
Hier nun der 2. Teil der Interviews mit den AutorInnen der Benefiz-Anthologie - näheres zum Buch hier!
Damit beantwortet sich auch gleich die 2. Frage - sie ist in der Tat Teil eines größeren "Zusammenhangs": in erster Linie ist die Welt für meine Kinderbuchreihe "Assjah" entstanden. Allerdings plane ich durchaus die Geschichte um Nazar und Kiama auszubauen, da es eine Menge Spaß macht die Abenteuer der Beiden zu erzählen und ich nur einen Bruchteil meiner Träume aufgeschrieben habe - die zwei Magiern, die nur zusammen zaubern können, haben mich nämlich vor einer Weile in mehreren Nächten heimgesucht. Sprich irgendwann wird es mehr zu ihnen geben. Dann kann ich auch mehr von Adaan zeigen, insbesondere die Orte und Geschöpfe, die mich am meisten faszinieren.
S.B. Sasori – Rabendieb
Du hast Dich bereits für Wölfe
eingesetzt, nun geht es um einen gefangenen Raben. Was bewegt Dich an
dem Thema?
Bei den Wölfen
und bei Jakob handelt es sich um Themen, die vor meiner Haustür
warten.
Die Wölfe ziehen
praktisch wenige Kilometer an unserem Wohnort vorbei und sorgen
sowohl bei Jägern als auch bei den vielen Schafzüchtern für heiße
Diskussionen. Schon deshalb war es mir ein Bedürfnis, eine Lanze für
sie zu brechen. Der Erlös der Anthologie, an der viele Kollegen
mitgeschrieben haben, geht an NABU "Willkommen Wolf".
Meine jüngste
Tochter hatte bereits das Glück, vier Wolfswelpen auf dem Heimweg
von einer Feier aus nächster Nähe zu sehen. Ihre Augen leuchten
immer noch, wenn sie davon erzählt.
Und Jakob ... ja
den gibt es wirklich. Er lebt im Tierpark hier im Ort.
Seit er ein
Jungvogel ist, ist er eingesperrt. Mittlerweile ist er so alt, dass
er wirklich kaum noch auf die oberste Stange flattern kann. Sein
Leben lang ist er nie richtig geflogen.
Meine mittlere
Tochter war schon oft kurz davor, ihn einfach freizulassen und ich
hatte Mühe ihr klarzumachen, dass das "kriminell" ist.
Dabei hätte ich dieses verdammte Vorhängeschloss liebend gern
selbst aufgebrochen.
Um ihm die Zeit
zu vertreiben besuchen wir ihn oft und reden ein bisschen mit ihm.
Seinen Namen kann er absolut verständlich formulieren. Ist ein
krasser Vogel.
Lasse ich ihn ein
paar Tage allein, dreht er mir schmollend den Rücken zu und ich muss
ihn mit Hundeleckerli bestechen.
Er hat schon
längst eine eigene Geschichte verdient und die hat er nun bekommen. Zumindest dort
wird er befreit.
Raik Thorstad - Das steinerne Bild
Was hat Dich zu dieser Geschichte
inspiriert?
Menschliche
Wahrnehmung ist für mich ein total spannendes Thema, über das man
viel öfter stolpert, als man bewusst - haha - wahrnimmt. Ich
schätze, kaum jemand von uns kann sich davon freimachen, dass er
irgendetwas an sich anders bewertet als andere. Einige überschätzen
sich vielleicht, aber ich glaube, Unterschätzung ist viel häufiger.
Wie viele Mädchen wollen nicht tanzen, weil sie sich zu kurvig
finden? Wie viele Männer finden sich zu klein? Wie viele Leute sind
davon überzeugt, dass sie zu dick/zu dumm/zu hässlich bis hin zu
nutzlos sind? Beim Steinernen Bild habe ich mich gefragt, wie es sich
wohl auf eine Liebe auswirkt, wenn eine der Parteien (oder noch
schlimmer beide) sich selbst nicht richtig sehen kann und immer nur
vom Schlimmsten ausgeht.
Juliane Seidel – Zwillingsmond
Was hat Dich an der von Dir
erschaffenen Fantasywelt besonders fasziniert? Ist sie Teil eines
größeren »Zusammenhangs«?
Eine schwierige Frage, zu der ich etwas
weiter ausholen muss. Um ehrlich zu sein habe ich die Fantasywelt
Adaan nicht für die Kurzgeschichte entwickelt, sondern (gemeinsam
mit Tanja) schon viel früher: für meine Kinderbuchreihe "Assjah".
Darin ist Adaan eine von vier Welten, die sich der Hauptcharakter Kim
ausgedacht hat und in seinen Träumen bereist. Daher kommen in
"Zwillingsmond" auch Figuren vor, die in "Assjah"
eine wichtige Rolle spielen: Annatar und Shamalla. Da ich Adaan sehr
gerne mag und die Welt am meisten ausgearbeitet ist, habe ich mich
entschieden "Zwillingsmond" dort spielen zu lassen. Meine
Geschichtsidee hat einfach wunderbar hinein gepasst, da Magie in
Adaan eine große Rolle Spielt. Leider konnte ich von der Welt nur
wenig offenbaren, einfach weil mir der Platz für längere
Erklärungen fehlte. Daher kommen viele Dinge, die mich an Adaan
faszinieren gar nicht zur Sprache: die Welt unter der Oberfläche -
eine Art Unterwelt, die ganz Adaan unterhöhlt und in der
unterschiedliche Kreaturen leben. Auch die unterschiedlichen Länder
und Lebewesen, die Adaan bevölkern, kommen nur am Rande vor. Es gibt
da viel mehr - sogar eine Landkarte, auf der man einen Teil der
Handlungsorte aus "Zwillingsmond" wiederfinden kann:Damit beantwortet sich auch gleich die 2. Frage - sie ist in der Tat Teil eines größeren "Zusammenhangs": in erster Linie ist die Welt für meine Kinderbuchreihe "Assjah" entstanden. Allerdings plane ich durchaus die Geschichte um Nazar und Kiama auszubauen, da es eine Menge Spaß macht die Abenteuer der Beiden zu erzählen und ich nur einen Bruchteil meiner Träume aufgeschrieben habe - die zwei Magiern, die nur zusammen zaubern können, haben mich nämlich vor einer Weile in mehreren Nächten heimgesucht. Sprich irgendwann wird es mehr zu ihnen geben. Dann kann ich auch mehr von Adaan zeigen, insbesondere die Orte und Geschöpfe, die mich am meisten faszinieren.
Paul Senftenberg - Liebe ohne Namen
Das Essay entstand für ein geplantes
Buch. Über welche Filme wirst Du darin noch schreiben?
Wer
meine bisherigen Bücher kennt, weiß, dass darin immer wieder Bezüge
zu Filmen und zum Kino vorkommen; am augenscheinlichsten ist dies der
Klassiker Frankenstein, der in dem Roman Eine ganz andere
Liebe eine nicht unwichtige Rolle spielt.
Seit
meiner Jugend bin ich ein großer Filmfan, vor ungefähr drei Jahren
habe ich damit begonnen, über die schönsten, bewegendsten, auch die
erschreckendsten, einfach die stärksten Szenen aus schwulen Filmen
zu schreiben – anfangs nur für mich selbst; die Idee, dass daraus
eines Tages ein Buch werden könnte, ist erst mit der Zeit gereift.
Meine Sammlung ist keine Bestenliste, ich habe eine ganz subjektive
Auswahl von über achtzig Gänsehautmomenten getroffen. Allseits
bekannte Filme wie Brokeback Mountain, Milk und A Single
Man kommen darin vor, ich bin aber auch auf eher unbekannte
Perlen wie El Mar, Animals und Contracorriente
gestoßen; auch einige Fernsehserien wie Brothers and Sisters,
Spartacus und Queer as Folk sind darunter.
In
meinen Essays mache ich diese wunderbaren Augenblicke des schwulen
Films für die Leser wieder erlebbar, sie stellen eine Hommage, eine
Liebeserklärung dar. Und ausgehend davon schreibe ich das eine Mal
über filmhistorische Aspekte oder bestimmte Schauspieler oder
Regisseure, ein anderes Mal über psychologische oder philosophische
Überlegungen oder stelle literarische Bezüge her. Unter dem Titel
Gay Movie Moments wird die Sammlung im kommenden Jahr im
Verlag Homo Littera herauskommen – nicht zuletzt aufgrund der
vielen Fotos, für die die Rechte eingeholt werden mussten, auch für
den Verlag ein extrem aufwendiges Unterfangen.
Karolina Peli - Von Liebe,
Anhänglichkeiten und Fluchten
Wie kam Dir die Idee zu Deiner
Geschichte?
Ein Stück weit,
wahre Begebenheit. Ich habe einen Bekannten, der sich trennte. Aber
nicht damit zurechtkam. Er klammerte sich fest. Rundum im
Freundeskreis. Jeder kam mal eine Weile dran. Im Endeffekt merkte er,
was er da tat.
Moritz Berg und J. Walther - Nie
vergessen
Lieber Moritz, Du warst noch nie in
Italien. Wie ist es Dir gelungen, Dich in den Handlungsort
hineinzuversetzen?
Ich liebe es zu
reisen, es kann eigentlich gar nicht weit genug weg sein. Dabei kamen
aber so einige Ecken von Europa bis jetzt viel zu kurz. Gerade
Italien, das eigentlich nur wenige Stunden mit dem Auto entfernt ist,
hatte ich bei der Urlaubsplanung völlig unbeachtet gelassen. Vor ca.
einem Jahr entstand zum ersten Mal der Gedanke Italien zu besuchen,
aber noch immer stand es auf der Wunschliste weit unten.
Als die Idee
zusammen mit Jana etwas zu schreiben aufkam, stand schnell fest, dass
es in Italien spielen sollte. Ich beschäftigte mich mehr mit dem
Land, schaute viele Bilder an, besuchte den Ort virtuell. Dabei
tauche ich in die Bilder ein und versuche dem Leser genau die Gefühle
zu vermitteln, die ich dabei habe, egal, ob ich den Ort persönlich
schon besucht habe oder nur in der Vorstellung. Ich hoffe, dass es
mir gelungen ist.
Chris P. Rolls - Die Anmut von Gras
Du überraschst hier mit einem anderen
Stil und Deiner vermutlich kürzesten Geschichte bisher. Wie kommt
es? War das Schreiben dieses Texte anders als sonst?
Ich habe mich in
letzter Zeit öfter an etwas kürzeren Sachen probiert, auch wenn die
mir nicht so recht liegen. Aber es macht Spaß, möglichst viel
wegzulassen, nur das Wichtigste anzudeuten und den Rest dem Leser zu
überlassen. Dadurch bastelt man aber etwas mehr an dem Text herum,
denn alle kleinen Puzzleteilchen müssen ja am rechten Fleck sein, um
entdeckt werden zu können. Insofern war es anders, weil ich den Text
ein paar Mal durchgehen musste, ob ich alle Hinweise auch drin hatte.
Auf jeden Fall ein interessantes Experiment.
Ich bedanke mich bei
allen AutorInnen für die Antworten. Ein besonderer Dank für die
Unterstützung des Projektes geht auch an die Verlage Incubus, dead soft
und insbesondere Cursed für den Buchsatz!
Das Taschenbuch ist nun auch erschienen!
Das Taschenbuch ist nun auch erschienen!
Donnerstag, 6. August 2015
Autoreninterview "Zusammen finden" Teil 1
Ein Interview mit allen AutorInnen der Anthologie "Zusammen finden" - hier die erste Hälfte. Näheres zum Buch steht im Post darunter.
Wie war es für Dich, in ein neues Genre hineinzuschauen? --- Wunderbar! Im Grunde weiß ich gar nicht, weshalb ich bislang noch kein Urban Fantasy geschrieben hatte, da es eins meiner absoluten Lieblingsgenres ist. Im Kopf einer Figur herumzuspazieren, die eine unbezähmte Wolfsseite hat und über magische Fähigkeiten verfügt, ist eine tolle Erfahrung. Noah kam wie von selbst zu mir, ohne dass ich ihn mir hätte mühsam ausdenken müssen. Und Biancas bezaubernder Oliver und er sind perfekt füreinander. Mal sehen, was aus den beiden noch wird...
Danke an alle für die interessanten Antworten zu unserer - wie man sieht - abwechslungsreichen Anthologie!
Susann Julieva und Bianca Nias - Der
Werwolf von nebenan
Susann, wie kam es zur Zusammenarbeit
mit Bianca? Wie war es für Dich, in ein neues Genre hineinzuschauen?
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Bianca?
--- Ganz spontan und unkompliziert! Ich finde Biancas Romane klasse,
also hab ich sie einfach mal gefragt, ob sie Lust hätte, sich für
die Anthologie mit mir zusammenzutun - und sie war zu meiner großen
Freude sofort dabei! Wir haben uns über eine Grundidee ausgetauscht,
dann hat jeder einen kurzen Steckbrief seiner Figur erstellt, und
danach haben wir einfach losgeschrieben, so richtig ins Blaue rein.
Immer abwechselnd haben wir uns die Spielbälle zugeworfen und die
andere durfte die Szene weiterspinnen. Das hat unglaublich viel Spaß
gemacht. Beim Schreiben haben wir dann gemerkt, dass das Ganze zu
lang wird für eine Kurzgeschichte. Also mussten wir für die Antho
irgendwo unterbrechen. Wir schreiben aber weiter, denn es gibt noch
viel zu erzählen. Ich freu mich riesig, dass deine Idee das
ermöglicht hat und wir durch unsere Zusammenarbeit eine liebe
Kollegin unterstützen können!Wie war es für Dich, in ein neues Genre hineinzuschauen? --- Wunderbar! Im Grunde weiß ich gar nicht, weshalb ich bislang noch kein Urban Fantasy geschrieben hatte, da es eins meiner absoluten Lieblingsgenres ist. Im Kopf einer Figur herumzuspazieren, die eine unbezähmte Wolfsseite hat und über magische Fähigkeiten verfügt, ist eine tolle Erfahrung. Noah kam wie von selbst zu mir, ohne dass ich ihn mir hätte mühsam ausdenken müssen. Und Biancas bezaubernder Oliver und er sind perfekt füreinander. Mal sehen, was aus den beiden noch wird...
Bianca, wie war die Zusammenarbeit mit
einer anderen Autorin für Dich? Hast Du das zum ersten Mal gemacht?
Zuallererst - ich
war richtig geplättet, als Susann mich fragte, ob wir beide etwas
zusammen schreiben wollen. So eine erfahrene und klasse Autorin,
deren Stil ich über ihre Bücher kenne und liebe, möchte
ausgerechnet mich als Co-Autorin? Natürlich habe ich voller Stolz
zugesagt. Nein, es war nicht meine erste Zusammenarbeit und ich
denke, es wird auch nicht die Letzte gewesen sein. Mit einer anderen
lieben Kollegin arbeite ich an einem tollen und vielversprechenden
Projekt, das aus bestimmten Gründen aber zwischendurch nochmal auf
Eis gelegt worden ist. Gemeinsam die Ideen zu erarbeiten und sich
gegenseitig die "Bälle zuzuwerfen", macht unglaublich viel
Spaß. Das ist eben etwas ganz anderes, als für sich allein im
stillen Kämmerchen zu sitzen, da man sich permanent austauscht,
motiviert und berät.
Du hast zum ersten Mal eine Geschichte
in England angesiedelt. Wie fühlte sich das an? Warst Du schon
einmal in dem Land?
England, vor
allem aber Schottland kenne ich recht gut. Ich liebe die englische
Mentalität, den Humor dort, bin ein gnadenloser Fan von Schirm
Charme und Melone und Harris Tweed und ich schätze das Frühstück
dort.
Ich habe die
Geschichte in Birmingham angesiedelt, da ich zeitgleich an einem Buch
arbeite, dass zwischen Venedig und Padua spielt. Hätte ich Charlys
Chip in Italien angesiedelt, wäre ich durcheinander gekommen. So war
es kein Problem. Befand mich vom ersten Absatz an, in Erdington/GB
Justin C. Skylark - Dylan und Thor -
on the road - ein Zwischenspiel
Wo ist diese Geschichte zeitlich
angesiedelt in Bezug auf die Romane? Wird es noch weitere Bücher mit
Dylan und Thor geben?
Die Dylan und
Thor Reihe umfasst 4 Romane. Die Kurzgeschichte "Dylan &
Thor - on The Road- ein Zwischenspiel" bezieht sich primär auf
den letzten Band "Flyktet". Kann also als eine Art
Fortsetzungsgeschichte angesehen werden. Zu Frage zwei: Oft werde ich
nach einem weiteren Band gefragt, derzeit ist bei Teil 4 Schluss. Ich
schließe einen fünften Band nicht aus, vielleicht wird es auch hier
und da erstmal weitere Kurzgeschichten geben. Aber da gibt es noch
keinen konkreten Plan.
Tanja Meurer – Hunger
Für diese Geschichte hast Du intensiv
recherchiert. Was war dabei besonders schwierig herauszufinden oder
besonders interessant?
Was besonders
schwierig herauszufinden war? Sehr einfach: wo das 1. Polizeirevier
in Mainz im Winter 1916 gewesen war. Heute ist es in der
Weißliliengasse und die Kriminaldirektion befindet sich in der
Alice-Kaserne am Valenciaplatz. Allerdings war es das 1916 noch
nicht. Da wurde die Kaserne noch als Kaserne genutzt. An dem Brocken
habe ich mir die Zähne ausgebissen und konnte leider nicht mal meine
Stiefmutter (Ur-Mainzerin) fragen, weil sie gerade im Urlaub war.
Dieser Part ist leider sehr schwammig ausgefallen. Alles andere
bereitete mir weniger Probleme. Ich bin Bauzeicherin aus dem Hochbau
und habe in Mainz gelernt - besonders die Altbausanierung. Damit bin
ich zumeist auf der sicheren Seite - nur in diesem Fall nicht. Mein
Fundus an Büchern über die Geschichte und den Verlauf des ersten
Weltkriegs, Mainz als Stadt, das Leben in den Kriegen, Kleidung, etc.
haben mir darin leider auch nicht geholfen. Was besonders interessant
war - das Hintergrundwissen zum Thema "Steckrübenwinter" -
den Hungerwinter 1916. In diesem Winter ging die Schlacht bei Verdun
zu Ende (19.12.1916). Es war die (bekanntlich) schrecklichste
Schlacht (nur die Schlacht an der Somme forderte einen ähnlichen
Tribut). Auf französischer Seite gab es ca. 377.000 Mann Verluste
und auf deutscher Seite 337.000. Sie begann am 21. Februar 1916 und
endete am 19. Dezember, ohne dass sich die Grenzen nennenswert
verschoben gehabt hätten. Ich habe schon vor Monaten mehrere
Berichte und Bücher dazu gelesen. Innerhalb einer einzigen Stunde
wurden über 1.000 Schuss aus Mörsern abgegeben. Gruselige
Vorstellung, oder? Und genau diese Schlacht hat Heinrichs Gegner
hinter sich. Er lebt und liebt die Gewalt ... Hoffentlich kommt der
"Landser" auch so rüber. Aber die Recherche hierzu hat mir
viele neue Punkte aufgewiesen. Nicht nur der zweite Weltkrieg war die
Hölle, der erste stand dem in nicht sonderlich vielen Punkten nach.
Rosha Reads - Sehnsucht ist ein
subtiles Gefängnis
Worin unterscheidet sich dieser Text
von Deinen bisherigen Arbeiten?
Zum einen ist es
die erste Geschichte, die ich unter meinem Pseudonym veröffentlicht
habe. Quasi mein Einstand mit einem schwulen Text.
Zum anderen habe
ich in Vorbereitung auf die Kurzgeschichte mit der Erzählperspektive
experimentiert und mich letztendlich für die Ich-Perspektive in
Verknüpfung mit der zweiten Person Singular entschieden. Das
Besondere hierbei ist, dass der Protagonist sich nicht an den Leser
wendet (wie das bei der Verknüpfung mit der dritten Person Singular
empfunden wird), sondern sich in Gedanken mit seinem Freund, der
zweiten Figur der Geschichte unterhält. Das erzeugt eine besondere
Intimität und auch Intensität, man ist als Leser ganz nah bei der
erzählenden Figur. Man befindet sich im Kopf des Protagonisten. Was
wiederum zu der Gratwanderung führte, nicht in Rührseligkeit
abzudriften und einem an sich schweigsamen Menschen seine Gedanken
abzuringen. Da man als Autor die Textwirkung nie exakt
vorherbestimmen kann, bin ich nun sehr gespannt, inwieweit es mir
hier gelungen ist, den Leser das fühlen zu lassen, was ich mit der
Erzählung ausdrücken wollte.
Schännieh Dunkelstrauch - Zwischen
Sojafleisch und Pinot noir
Wie viel von Dir
steckt in dieser Geschichte?
Ich denke, in
jeder Geschichte steckt immer irgendetwas vom Autor. Das lässt sich
wohl nie ganz abstellen und das ist auch gut so. Manchmal spielen
Geschichten in für den Autor vertrauten Städten, manchmal behandeln
sie eigene Ängste oder in ähnlicher Form selbst erlebte Situation.
Je nach Geschichte wechselt das bei mir zwischen subtil und deutlich
herauslesbar. Im Fall von 'zwischen Sojafleisch und Pinot noir' sind
es die Protagonisten, die beide viele Eigenschaften von mir selbst
widerspiegeln. Jeder hat diese Momente, in denen er unfähig ist zu
sprechen, zu schüchtern ist, sich nicht traut und Zweifel hat - wie
Florian. Doch dann gibt es auch noch diese anderen, in denen man
etwas anpacken will, etwas unbedingt haben möchte. Und dann wagt man
es einfach - wie Finn.
Danke an alle für die interessanten Antworten zu unserer - wie man sieht - abwechslungsreichen Anthologie!
Sonntag, 26. Juli 2015
Benefiz-Anthologie "Zusammen finden"
Die
Idee zu dieser Anthologie reifte in mir auf der Rückfahrt von der
Buchmesse Berlin im November 2014. Einige der nun beteiligten
AutorInnen und auch ich hatten eine junge Autorin kennengelernt,
deren Haltung mich sehr beeindruckte. Doch nicht genug, dass sie mit
einer schweren Krankheit kämpft, legen ihr Behörden noch
unglaubliche Steine in den Weg. Dadurch ist selbst so etwas
selbstverständliches wie die Teilnahme an einer Messe für sie ein
fast unüberwindbares Hindernis. Der Erlös dieser Anthologie soll
ihr diese und andere Ereignisse ermöglichen. Auch wünsche ich mir,
dass ihr unsere Unterstützung ein bisschen Kraft gibt.
Nun
hoffe ich, dass dieses Buch nicht nur einer guten Sache dient,
sondern auch als Anthologie überzeugen kann. Denn auch das war ein
Wunsch von mir – viele unterschiedliche, spannende Autorinnen und
Autoren in einem Band zusammen zu bringen.
Mit dabei sind: Bianca Nias, Chris P. Rolls, Jobst Mahrenholz,
JulianeSeidel, Justin C. Skylark, Karolina Peli, Moritz Berg, Paul Senftenberg, Raik Thorstad, Rosha Reads, S.B. Sasori, Schännieh
Dunkelstrauch, Susann Julieva, Tanja Meurer
Sehr
herzlich bedanke ich mich bei allen AutorInnen und anderen
Beteiligten, die sich in die Arbeit an dieser Anthologie mit
Beiträgen, Lektorat, Korrekturen, Covergestaltung, Buchsatz, Hilfe
und Ideen eingebracht haben! Ihr seid Klasse!
Ich
bin stolz darauf, dass wir uns für dieses Projekt zusammengefunden
und gemeinsam gearbeitet haben. Entscheidungen über den Titel etc.
wurden gemeinsam getroffen, was manchmal zu lustigen Diskussionen
führte, aber auch mal, wie im Fall des Covermotivs, ganz schnell
ging.
Von mir ist die Geschichte "Nie vergessen - Non dimenticato mai" enthalten, die in Zusammenarbeit mir Moritz Berg entstand. Sie ist von einem kleinen Urlaubserlebnis vor vielen Jahren inspiriert und spielt in der Toskana.
Rezensionen: "Ulla liebt Bücher", "big eyes"
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